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Produktgeschäft bleibt »tragende Säule« bei Fujitsu

Fujitsu: Bruch und Aufbruch in die digitale Zukunft

30. September 2019, 14:57 Uhr   |  Martin Fryba

Fujitsu: Bruch und Aufbruch in die digitale Zukunft
© Fujitsu

Fujitsu-Manager Christian Leutner: Augsburger Werk läuft aktuell auf Hochtouren, der Umbau Fujitsus zum Anbieter digitaler Services geht weiter.

Die PC-Fertigung in Augsburg läuft auf Hochtouren, gleichzeitig muss Fujitsu ohne »Made in Germany« die Zukunft planen. Dazu gehört ein Sozial- wie ein Investitionsplan. Lederhosen schätzen die japanischen Fujitsu-Manager schon sehr, den Kulturschock aber müssen sie noch verdauen, den der neue CEO Takahito Tokita ausrief.

Damit konnte bei Fujitsu wohl niemand rechnen. Am 1.September 2019 beginnt stufenweise und wie geplant die »Delokalisierung«, also Schließung der PC-Produktion im Werk Augsburg, aber eigentlich müssten sich die Manager mit dem Gegenteil beschäftigen. Nämlich, wie sie die Produktion hochfahren. Es herrscht Vollbetrieb und Samstagsarbeit. Fujitsu spricht von einem überraschend hohen Auftragseingang. Server, sogar Desktops würden so stark nachgefragt, dass es teilweise zu Lieferverzögerungen käme. Dazu will es der Hersteller nicht kommen lassen, man unternehme alle Anstrengungen, um im Weihnachtsgeschäft lieferfähig zu bleiben, sagt Christian Leutner, Head of EMEIA Product Sales bei Fujitsu. »Das Produktgeschäft geht durch die Decke. Augsburg läuft auf vollen Touren, die Mitarbeiter in der Fertigung und Planung sind hoch motiviert, was angesichts der bekannten Werkschließung eine ganz hervorragende Leistung ist«, lobt der Manager. Er räumt freilich auch ein, dass es angesichts der endgültigen Schließung im September 2020 »paradox wäre, jetzt noch in das Augsburger Werk zu investieren«.

So ergibt sich in der Tat eine absurde Situation: Man arbeitet bei Fujitsu Deutschland mit Hochdruck an einer Zukunft ohne PC-Fertigung in Deutschland und gleichzeitig will man vom aktuellen Auftragsboom bei Hardware nichts dem Wettbewerb überlassen. Leutner machte zwar unmissverständlich klar, dass das Produktgeschäft eine »tragende Säule« von Fujitsu sei und weiter bleibe. Es sei mit einem Anteil von knapp 50 Prozent der größte Geschäftsbereich des Herstellers. Andererseits aber müsse Fujitsu »in einem commodisierten Markt wettbewerbsfähig bleiben, daher die Verlagerung der Fertigung nach Asien. Kunden seien nicht bereit gewesen, für die Standortvorteile einer deutschen Mainboard- und PC-Fertigung höhere Preise zu akzeptieren, sagt er.

Tempi passati für »Made in Germany« by Fujitsu, was aber »nur« für den Assemblierungs- und Fertigungsstandort gilt, und auch nicht alle der 1.450 Mitarbeiter betrifft, die in der bayerisch-schwäbischen Hauptstadt derzeit Überstunden schieben.

Ein Großteil von ihnen wird sich neue Arbeitsplätze suchen müssen. In der von Fujitsu etablierten Transfergesellschaft sollen sie fit für neue Aufgaben gemacht werden. Viele werden vorzeitig in den Ruhestand gehen oder betriebsbedingt ausscheiden. Fujitsu-Manager Leutner lobt die konstruktive Zusammenarbeit mit den Vertretern der Arbeitnehmer und der Politik. Der Sozialplan beinhalte für die betroffenen Mitarbeiter »attraktive Regelungen«. Rund 350 Mitarbeiter behalten aber ihren Job, sie werden im technischen Support weiterbeschäftigt. Fujitsu sucht für diese Abteilung einen neuen Standort in Augsburg. Die bislang gute Servicequalität für Kunden solle laut Hersteller beibehalten werden. »Das hat für uns höchste Priorität«, so Leutner.

Außerdem hat das S&T-Tochterunternehmen Kontron das in Augsburg angesiedelte Industrial-Mainboard-Geschäft von Fujitsu übernommen und angekündigt, einige Fujitsu-Angestelle übernehmen zu wollen.

Die grundlegende Neuausrichtung bei Fujitsu könnte auch den Distributoren des Herstellers in die Hände spielen. Man spreche derzeit mit Broadlinern, welche Dienstleistungen man künftig stärker von der Distribution erledigen lassen könnte. »Wir stoßen auf reges Interesse. Distributoren eröffnen sich da sehr gute Chancen«, so Leutner. Auch Services wie Assemblierung und BTO, und zwar nicht nur für paneuropäische, sondern auch für lokale Distributoren, wolle man verstärken. Deutschland sei einer der stärksten Märke für Fujitsus Produktgeschäft.

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