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Digitaler Wandel bei Also

Drehbuch einer Transformation

24. März 2020, 09:00 Uhr   |  Martin Fryba | Kommentar(e)

Drehbuch einer Transformation
© CRN

CEO Gustavo Möller-Hergt weist Broadliner Also den Weg zum Technologie-Provider. Kritik an seinem Kurs kontert er mit Verweis auf beeindruckende Rekorde. Die Stärke dieses Alpha-Managers birgt eine Schwäche: Nicht jeder Stakeholder kennt seine Vision und Mission, Mitarbeiter eingeschlossen.

Liebeserklärungen an Mitarbeiter hört man selten von einem CEO. In Zürich auf der Bilanzpressekonferenz von Also Ende Februar sind gleich mehrere Bekundungen dieser Art zu vernehmen. Die Teams in den 23 Also-Ländergesellschaften »machen einen sehr guten Job. Chapeau!«, lobt Holding-Chef  Gustavo Möller-Hergt mehrmals. Die Mannschaft sei in der Lage, »sich stets zu ändern und anzupassen«. Demonstratives und geradezu erotisches Lob gibt es sogar für jene Angestellten, über deren Sparte Also  und auch andere Broadliner nur sehr wenige Worte in den letzten Jahren verloren haben: Das klassisches Handelsgeschäft, bis heute bei allen ITK-Distributoren Hauptumsatzträger. »Großhandel finden wir nicht peinlich, sondern sexy«, sagt Möller-Hergt. Die guten Zahlen zum Geschäftsjahr 2019 (crn.de berichtete) geben dem CEO allen Anlass dazu.


Das sind neue, erfreuliche Töne, die nicht nur Mitarbeitern in der Supply-Sparte von Also gut tun. Eine erstaunliche Korrektur des als Abstellgleis empfundenen IT-Handels. Indes: Sie entspringt weniger einer neu endeckten Liebe zu Mitarbeitern, die schon immer in sehr margenmageren Geschäftssäulen agieren, sondern handfesten ökonomischen Überlegungen.


Erst die hier viel Personal ersetzende Automatisierung von Bestellvorgängen und anschließende Sales-Abwicklungen gewährleistet ein Mindestmaß an Profitabilität. Sie steigt bei Also, mit Ausnahme 2018, kontinuierlich auf zuletzt knapp 197 Millionen Euro (Ebitda). Der Nettogewinn lag erstmals bei über 100 Millionen Euro. Die Erlöse kletterten auf knapp 10,7 Milliarden Euro. Akquisitionen, aber auch organisches Wachstum, haben zum einem Umsatzplus von 16,5 Prozent beigetragen.


Cash-Management verbessert
IT-Handel im großen Stil lohnt sich immer noch. Und schafft monetäre Spielräume für Zukunftsinvestitionen in aussichtsreiche Sparten, wenn man es schafft, die hohe Kapitalbindung Im Volumengeschäft so zu steuern, dass das Working Capital zum Teil für Zukäufe oder Tilgungen verwendet werden kann. NWC, Networking Capital, ist eine der acht Kennzahlen, nach denen Also das operative Geschäft seit Jahren »konsequent« und mit zunehmend positiven bilanziellen Effekten steuert. Während PWC deutschen Unternehmen in fast allen Branchen »in den letzten fünf Jahren eine Verschlechterung des Betriebskapitals« attestiert, die nur mäßig durch ein besseres Management der Verbindlichkeiten ausgeglichen werde, macht Also 2019 bei der Lagerreichweite den deutlichsten  Verbesserungssprung um fünf auf 25 Tage im Vergleich zum Vorjahr.


»Konsequent«. Könnte man dieses Adjektiv als Wortmarke schützen, hätte CEO Möller-Hergt beste Chancen, das Urheberrecht für sich zu reklamieren. So oft verwendet der Deutsch-Peruaner, dessen Urgroßvater Perus Staatspräsident Óscar Raimundo Benavides war, diese Vokabel in der ihm eigenen Tonalität. Wer wie Harvard Business School-Absolvent Möller-Hergt einen Konzern seit 2011 straff nach Kennzahlen »konsequent« führt, muss erst einmal die Voraussetzungen dafür schaffen.

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1. Drehbuch einer Transformation
2. Führen nach Zahlen
3. (Er)klärungsbedarf
4. Ewig blühender Broadliner

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