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Normalität erst 2021

Deutsche Firmen in China leiden

29. Juli 2020, 15:06 Uhr   |  dpa | Kommentar(e)

Deutsche Firmen in China leiden
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China hat das Virus weitgehend unter Kontrolle. Doch deutsche Firmen im Land müssen deutlich länger als gedacht auf eine Rückkehr zur Normalität warten. Dabei könnte Peking viel für eine Erholung tun.

Deutsche Unternehmen in China leiden nach einer Umfrage unter schweren Umsatzeinbußen durch die Corona-Krise, die sich zudem viel länger als erwartet hinzieht. »Die Rückkehr des Geschäfts auf Vor-Krisen-Niveau wird sich voraussichtlich auf nächstes Jahr verschieben«, sagte Ulf Reinhardt von der deutschen Handelskammer (AHK) in China am Mittwoch in Peking zu der Umfrage unter Mitgliedsunternehmen. Während fast drei Viertel eine Erholung der Produktionsfähigkeiten sehen, ist die Unsicherheit weiter »besonders groß«. Zwei Drittel plagt der Rückgang der Nachfrage.

So verschiebt oder streicht die Hälfte der Unternehmen anstehende Investitionsentscheidungen. »Jedes zweite befragte deutsche Unternehmen in China erwartet 2020 einen zweistelligen Rückgang im Absatz«, sagte Reinhardt. »Eine beunruhigende Zahl.« Zu den größten Herausforderungen zählten zudem die Beschränkungen der Reisemöglichkeiten nach China und Probleme mit den Geldströmen für kleine und mittelständische Firmen. 62 Prozent der Firmen haben ihre Geschäftsziele für dieses Jahr moderat bis stark senken müssen.

In China waren vor mehr als sieben Monaten die ersten Infektionen mit dem Coronavirus entdeckt worden. Seit März hat das Land das Virus aber weitgehend in den Griff bekommen, während sich die Pandemie in anderen Ländern stark ausbreitet. Die Lungenkrankheit Covid-19 schaffe neue Herausforderungen, verstärke aber auch alte Probleme wie Investitionsbedingungen sowie der Zugang zum Internet und zu Finanzierungen vor Ort, hält die Umfrage fest.

Als zweitgrößte Volkswirtschaft spielt China aus Sicht der Kammer gleichwohl eine Schlüsselrolle für eine Erholung der Weltwirtschaft. Die deutschen Unternehmer in China suchten aber mehr Planungssicherheit. Auch sorgten sie sich über eine Entkoppelung der Volkswirtschaften und Auswirkungen auf globale Lieferketten. »Einige Unternehmen befürchten einen aufkommenden technologischen Kalten Krieg, mit dem parallel Systemstandards entstehen«, heißt es auch vor dem Hintergrund des Handelskrieges der USA mit China.

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dpa

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