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Verzerrter Halbleitermarkt

Chiphersteller zwischen Bangen und Hoffen

16. April 2020, 09:01 Uhr   |  dpa/Martin Fryba | Kommentar(e)

Chiphersteller zwischen Bangen und Hoffen
© Intel

Die Corona-Krise trifft Chiphersteller wie Intel, Qualcomm oder Infinion sehr unterschiedlich. Prozessoren für Smartphones oder Autos sind aktuell wenig gefragt, für andere Produkte ist die Nachfrage stabil oder boomt sogar.

Die anhaltende globale Pandemie lähmt weite Teile der Wirtschaft, die Volkswirtschaften werden 2020 teils dramatiusche Rückgänge verzeichnen. Nur wenige Unternehmen profitieren vom Shutdown des öffentlichen Lebens. Die der Not geborene neue Heimarbeit beflügelt einerseits vor allem die ITK-Branche, doch auch hier gilt es zu differenzieren. Der IT-Markt erlebt Wochen einer so noch nie gekannten Verzerrung der Nachfrage. Vor allem an Halbleiterherstellern ist sie aktuell besonders gut ablesbar.


Eine Prognose der Unternehmensberatung McKinsey zeigt: Die Corona-Krise hinterlasse auf dem Halbleitermarkt ungleichmäßige Spuren, berichtet dpa. Je nach Bereich stehen für 2020 Rückgänge von bis zu 27 Prozent oder Zuwächse bis elf Prozent im Raum, schätzen Analysten von  McKinsey. Euphorie im Wechsel mit Depression, beherrscht  die aktuelle Stimmung im Halbleitermarkt – mit Tendenz zur vorrübergehend anhaltenden Niedergeschlagenheit. Denn insgesamt gehen die Berater von einem Schrumpfen des zuletzt mehr als 400 Milliarden Dollar schweren Gesamtmarkts aus. Im besten Fall geht der Markt um fünf Prozent zurück, im schlimmsten um bis 15 Prozent.


Chips für Clients bleiben stabil
Der größte Teilmarkt, Halbleiter für PCs und Server, bleibt demnach je nach Szenario fast stabil oder schrumpft nur vergleichsweise wenig. Die Nachfrage vor allem nach Notebooks und Peripherie wie Headsets, Monitore oder Drucker für das Home Office ist gewaltig. Geschlossene Fabriken in China und gestörte Lieferketten sorgen für leere Lager. Jetzt erst allmählich öffnen die Fertigungen wieder, wie CRN berichtete.

Bei Chips für die Bereiche Industrie sowie Unterhaltungs- und Haushaltselektronik sind McKinsey zufolge etwas stärkere Rückgänge zu erwarten. Besonders hart wird es der Prognose nach die Bereiche drahtlose Kommunikation - also vor allem Smartphones - und Chips für den Automobilbereich treffen. Hier geht es im schlimmsten Fall um 26 beziehungsweise 27 Prozent nach unten.


Nur das kleinste Marktsegment kann von der aktuellen Entwicklung profitieren: Im Bereich der kabelgebundenen Kommunikation geht es der Prognose zufolge um acht bis elf Prozent nach oben. Der Grund: Wegen der Corona-Pandemie müssen demnach unter anderem Firmen mehr in Sicherheit investieren, weil mehr Mitarbeiter von zu Hause aus arbeiten. Zudem kaufen Verbraucher mehr Router.

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