Schwerpunkte

E-Commerce

Berg- und Talfahrt im deutschen Online-Handel

05. Juni 2020, 11:30 Uhr   |  Martin Fryba | Kommentar(e)

Berg- und Talfahrt im deutschen Online-Handel

Ebay und Amazon scheinen die Gewinner in der Corona-Pandemie zu sein. Den deutschen Händler steckt der März-Schock noch in den Knochen. Vom weiten Weg in die »neue Normalität«.

Gerade hat Ebay für das laufende zweite Quartal ein Umsatzplus bis zu 16 Prozent und ein Gewinnplus sogar um bis zu 60 Prozent in Aussicht gestellt. Ende April zählten diverse Medien Amazon zu den Gewinnern der Corona-Pandemie, weil Analysten den Quartalsumsatz auf 10.000 US-Dollar pro Sekunde herunterbrachen. Zahlenspiele eben, die, flüchtig wahrgenommen, den Online-Handel pauschal als Gewinner des virusbedingten Stillstands der Wirtschaft dastehen lassen. Dem ist nicht so.


Die meisten Online-Händler stehen noch unter dem Schockeindruck des ersten Quartals und hier vor allem dem so noch nie dagewesenen Minus in März, das über alle Warengruppen hinweg fast 20 Prozent betragen hatte. Eine Talfahrt, die im April dann wieder schon zur Bergfahrt wurde. Kumuliert brachten die beiden Monate dem deutschen E-Commerce-Handel nämlich schon wieder ein kleines Plus von 2,3 Prozent, berichtet der bevh. Wachstumstreiber sind Güter des täglichen Bedarfs: Lebensmittel, Medikamente, Drogeriewaren, Tiernahrung.


Nach wie vor in die Röhre schauen Online-Shops, die Textilien, Autos & Zubehör und Schmuck verkaufen. Der April konnte hier den Einbruch im März noch nicht kompensieren. Laut bevh schlage sich hier die generelle Konsumzurückhaltung nieder.


23,3 Milliarden Euro Bruttoumsatz habe der deutsche E-Commerce-Handel zwischen Januar und April erzielt. Das gerade auf den Weg gebrachte Konjunkturpaket der Bundesregierung könnte dem Einzelhandel den dringend benötigten Schub geben. Der sei dringend notwendig, meint bevh-Präsident Gero Furchheim. Denn die Pandemie sei noch längst nicht überwunden, der »Weg in die neue Normalität ist noch weit«.


Lokale Inititative
Online-Handel sei nämlich mehr als nur ein Rettungsanker in der Corona-Pandemie, stellt Furchheim klar. Auch primär stationär tätige Händler brauchen diesen »unverzichtbaren Baustein für jedes zeitgemäße Handelskonzept«.


Auch dem letzten Ladenbesitzer dürfte die Wichtigkeit einer Online-Präsenz schlagartig bewusst sein. So haben sich in kürzester Zeit 545 Händler aus Mecklenburg-Vorpommern bei der landesweiten Plattform »digitaler Marktplatz MV« registriert. Dazu kommen 28 weitere Initiativen, die ebenfalls auf der Plattform sichtbar sind, wie das Digitalministerium auf Anfrage von dpa  mitteilte. So repräsentiere der digitale Marktplatz das Angebot von insgesamt etwa 2.500 Händlern.


Ziel sei es bei Einführung des Angebots gewesen, den Händler in Mecklenburg-Vorpommern in der Corona-Krise kostenlos zu mehr Sichtbarkeit im Internet zu verhelfen. Dafür sei keine eigene Online-Infrastruktur der Unternehmen notwendig, schreibt dpa. Zum Startzeitpunkt der Plattform gab es noch Einschränkungen im Handel. Seit Anfang Mai dürfen Warenhäuser, Technikmärkte und andere große Geschäfte in MV wieder auf ihrer gesamten Fläche verkaufen.
(mit Material von dpa)

Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenAuf Linkedin teilenVia Mail teilen

Verwandte Artikel

E-Commerce Center Handel (ECC)

E-Commerce Software

Etailer