Konjunktur gerät ins Stottern: Ifo-Geschäftsklima fällt auf den tiefsten Stand seit 2012

Immer neue Spannungen im Handelsstreit und dazu das Schreckensszenario eines ungeordneten Brexit: Die Sorgen in den Unternehmen nehmen zu. Das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer zeigt Krisenstimmung an.

Kein Silberstreif am Horizont

Doch nicht nur der Handelskrieg sorgt für Unsicherheit, sondern auch der Brexit. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) fürchtet, dass das Wachstum der deutschen Wirtschaft zum Erliegen kommt, sollten die Briten Ende Oktober ohne Abkommen aus der EU aussteigen. »Die Auftragseingänge und die Industrieproduktion gehen zurück, die Unternehmen investieren weniger«, sagte BDI-Präsident Dieter Kempf der Deutschen Presse-Agentur. »Wir erwarten in diesem Jahr ein Wachstum von höchstens 0,5 Prozent. Im Falle eines harten Brexit Ende Oktober droht das Wachstum in Richtung Null zu gehen.«

»Der berühmte Silberstreif am Horizont fehlt leider«, meinte Chefvolkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank. Die Exportabhängigkeit der deutschen Volkswirtschaft werde zum Bumerang. Die Bundesregierung täte gut daran, kräftig in die Infrastruktur zu investieren.

Die Unternehmen schätzen ihre aktuelle Lage und die künftige Entwicklung auf Sicht von sechs Monaten negativer ein, so das Ifo. Die Beurteilung der Lage fiel im August um 2,3 auf 97,3 Punkte. Die Erwartungen sanken um 0,8 Punkte auf 91,3 Punkte. Bei beiden Werten hatten Ökonomen einen weniger klaren Rückgang erwartet.

Das Ifo-Geschäftsklima basiert auf der Befragung von etwa 9.000 Unternehmen. Der Indikator gilt als verlässliche Schätzgröße für das künftige Wirtschaftswachstum in der größten Volkswirtschaft Europas.