Kopfnuss: Apples neues Geschäftsmodell: Abzocke als Service

Wer glaubt, Apple habe angesichts des Preises von 1.000 Dollar für einen Monitorständer nun endgültig die Bodenhaftung verloren, irrt gewaltig. Tatsächlich treibt der Hersteller mit dem genialen Schachzug seinen Wandel vom Hardware- zum Services-Anbieter voran.

Abgebildetes Zubehör nicht im Preis inbegriffen
(Foto: Apple)

Mit dem neuen Mac Pro will Apple endlich wieder Standards setzen und so seinen einstigen Ruf als Hersteller der stärksten (und teuersten) PCs – Entschuldigung, Macs – der Welt zurückerobern. Um die dafür notwendige bessere Kühlung und Leistungsausbeute zu ermöglichen, ist das mehr von Designern als IT-Fachkräften geprägte Unternehmen sogar bereit, auf das einzigartige Mülleimer-Design seines Premium-Produkts für professionelle IT-Arbeiter zu verzichten und zumindest im Grundsatz wieder zu einer verbreiteteren – weil effizienteren – Bauform zurückzukehren. Obwohl man natürlich auch hier anhand des Vorbilds einer Käsereibe ein auffälliges Äußeres schafft, zeigt das doch, dass neue Wege beschritten werden und Apple dabei sogar bereit ist, das alte Credo »form fucks function« zumindest in Teilen zu opfern.

Wie alles bei Apple hat diese neue Schlichtheit natürlich ihren Preis. Mindestens 6.000 Dollar werden für den Mac Pro fällig, das Spitzenmodell kann fast 50.000 Dollar kosten. Sofort mussten angesichts dieser Zahlen einige finanziell und ästhetisch chronisch verarmte PC- und Server-Nutzer ätzen, für dieses Geld könne man die Aufgaben statt vom Mac auch gleich von einem Subunternehmer erledigen lassen oder alternativ für die nächsten 20 Jahre Amazons komplette AWS-Kapazität mieten. Das ist jedoch reichlich kurz gesprungen und nur dem üblichen Neid der armen Seelen zuzurechnen, die sich von ihrem Standard-Tower während der Arbeit nicht gleich noch Mac and Cheese kochen oder dezent unter dem Schreibtisch die Hornhaut von den Füßen raspeln lassen können.

Wenigstens für Betriebswirtschaftler ist der Schritt hingegen völlig logisch: Die Hardware-Umsätze sinken, also muss die Hardware zum Ausgleich eben teurer werden. Dementsprechend verlangt Apple für den Monitor noch einmal mindesten 5.000 Dollar zusätzlich.

Übersicht