Sparen wie die Profis: Fortschritt durch Rückschritt

Während die Industrie noch glaubt, durch Investitionen in Digitalisierung sparen zu können, zeigt die Kopfnuss wie es wirklich geht.

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Nach Jahren des Wachstums beginnen sich die weltweiten Konjunkturprognosen allmählich einzutrüben. Höchste Zeit also für international aufgestellte Großkonzerne, nach schnell umsetzbaren Einsparpotenzialen zu suchen. Viele suchen Ihr Heil nun in der Digitalisierung. So will etwa Bertelsmann die Telefone abschaffen und stattdessen lieber auf Skype setzen, zahlreiche andere Unternehmen schaffen gleich die Arbeitsplätze der Mitarbeiter ab – entweder komplett oder zumindest physisch im Sinne eigener Büros. Und VW schließt sich mit AWS und Siemens zusammen, um seine Produktion durch eine industrielle Cloud zu optimieren.

Dabei weiß doch jeder Bettelstudent, der sich im zehnten Semester in Folge von Nudeln mit Butter und Salz ernährt, wie man wirklich spart. Sicher nicht, indem man sich auf Pump neue Technologie anschafft und anschließend darbend darauf hofft, dass sie sich vielleicht irgendwann amortisiert und so eine Besserung mit sich bringt. Wer wirklich sparen will, der muss vor allem eins vermeiden: Investitionen. Auch VW wüsste zumindest im Ansatz eigentlich, wie das geht. Immerhin hat der Konzern gerade erst beschlossen, den Farbdruck in seinem Druckerpark weitgehend abzuschalten, um so Toner zu sparen. Ein guter Ansatz, aber aus Sicht der Kopfnuss als altem Sparfuchs letztlich doch etwas amateurhaft.

Denn echte Sparprofis haben sich erst garnicht von ihren zuverlässigen Nadeldruckern getrennt. Statt sich neue Hardware für ihre Arbeitsplätze und das Rechenzentrum zu kaufen, bieten sie anderen Firmen an, deren alte Systeme gegen einen kleinen Obolus fachgerecht zu entsorgen. So bekommt man Geräte, Geld und wertvolle Daten auf einen Streich. Gleichzeitig staubt man noch ein paar Röhrenmonitore ab und schaltet dafür die Heizung ab. Damit ist, ganz im Sinne der smarten Gebäudeautomatisierung, sichergestellt, dass nur jene Büros beheizt werden, in denen auch gearbeitet wird. Dieses erfolgreiche Prinzip funktioniert sogar bei Software. Wer weiterhin seine Uralt-Anwendungen einsetzt, deren Support längst abgelaufen ist, muss keinen Cent in neue Versionen oder gar Abos investieren und da sie auch kein Hacker mehr auf dem Schirm hat, spart man sich zudem auch deren Absicherung.

Nur an einer Stelle darf auf keinen Fall gespart werden: einem guten »Projektmanager«, der den Mitarbeitern den Verzicht als Teil des unter Hochdruck laufenden Innovationsprozesses verkauft. Erst er macht aus dem Cluster aus alten USB-Hubs und -Sticks im Wortumdrehen eine »hoch skalierbare All-Flash-Cloud-Lösung«.