Wie ein grauer Klotz das Spielen revolutionierte: 30 Jahre Game Boy

Vor 30 Jahren brachte Nintendo seinen Game Boy auf den Markt und machte damit das Videospielen unterwegs salonfähig. Der Erfolg des klobigen Spielgeräts brachte der Branche auch bei, dass einfache Technik manchmal besser ist.

Tetris-Verhandlungsmarathon in Russland

Nintendo war klar, dass die Mobil-Konsole ein attraktives Spiel als Zugpferd brauchte - und man fand es hinter dem Eisernen Vorhang. Das von einem Moskauer Programmierer entwickelte »Tetris«, bei dem der Spieler von oben herabfallende Blöcke in verschiedenen Formen schnell einbauen muss, passte perfekt zur Game-Boy-Technik - und taugte auch als unverbindliche Unterhaltung für unterwegs. Die damals für die Vermarktung zuständigen Sowjet-Bürokraten hatten zwar schon »Tetris«-Lizenzen in den Westen verkauft. Aber Nintendo wurde schnell klar, dass die neue Gerätekategorie der Mobil-Konsolen davon nicht abgedeckt war. In einem abenteuerlichen Verhandlungsmarathon in Moskau sicherten sich die Japaner die Rechte. Die Kinder des »Tetris«-Erfinders Alexej Paschitnow bekamen Nintendo-Konsolen.

»Tetris« war genau das Spiel, das der Game Boy brauchte. Später feierte auf der Plattform unter anderem auch die bis heute erfolgreiche »Pokémon«-Spielereihe Premiere. Gokoi erfand für Nintendo Mitte der 90er Jahre auch eine erste Konsole mit einer VR-Brille. Doch der »Virtual Boy«, bei dem die Brille auf dem Tisch stehen statt wie heute auf dem Kopf getragen werden sollte, floppte. Wohl unter anderem, weil die Optik mit roten LED zu primitiv und anstrengend für die Nutzer war. Gokoi verließ Nintendo, um eine eigene Firma zu gründen - und starb 1997 bei einem Verkehrsunfall.

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