IT-Jahr 2018: Computerfertigung in Deutschland: Aus für »IT-Hardware made in Germany«

Fujitsus PC- und Server-Fabrik in Augsburg war viele Jahre ein Vorzeigeobjekt - am Ende reichte es aber doch nicht, um mit den asiatischen Auftragsfertigern mithalten zu können.

Bis 2020 soll das Augsburger Werk schließen
(Foto: CRN)

Fujitsus PC- und Server-Fabrik in Augsburg war viele Jahre ein Vorzeigeobjekt: Die fortschrittliche und hoch automatisierte Produktionsstätte wurde jedes Jahr zum Fujitsu Forum stolz den aus aller Welt angereisten Kunden und Partnern vorgeführt. Die flexible BTO-Fertigung und die kurzen Vertriebswege zu den Kunden in Europa würden die Kostenvorteile der Massenfertiger in China locker aufwiegen, betonten die Manager stets. Am Ende reichte das alles aber doch nicht, um mit den asiatischen Auftragsfertigern mithalten zu können.

Zum diesjährigen Fujitsu Forum musste der japanische Hersteller deshalb das Aus für das Augsburger Werk verkünden. Bis 2020 schließt das letzte Überbleibsel einer IT-Fertigung in Europa die Tore für immer. »Wir waren die letzten Mohikaner«, brachte es Vera Schneevoigt, Fujitsus Verantwortliche für das Werk in Augsburg, auf den Punkt und weckte noch einmal Erinnerungen an deutsche IT-Hersteller wie Nixdorf, Siemens oder Maxdata, die längst Geschichte sind.

Hardware-Fertigung im Herzen Europas funktioniert offensichtlich nur noch auf nationaler oder gar regionaler Basis. Anbieter wie Wortmann, Tarox oder Bluechip und noch eine Vielzahl kleinerer Hersteller können sich dank ihrer Flexibilität und Nähe zum Kunden bisher wacker in diesem schwer umkämpften Geschäft behaupten und schaffen das hoffentlich auch noch viele weitere Jahre.

Kommentare (1) Alle Kommentare

Antwort von C_Ma , 08:03 Uhr

Das Aus von Fujitsu ist tragisch und für den Standort Augsburg ein herber Schlag. Das große Konzerne in Europa bzw. in Deutschland im IT-Sektor nicht profitabel sind, hat mehrere Gründe ohne hier näher eingehen zu wollen. Aber gerade kleinere Spezialisten ("B-Brands") zeigen noch immer eindrucksvoll, dass "Made in Germany" noch möglich ist - auch im IT-Bereich und auch in der IT-Fertigung. Diese Unternehmen legen den Fokus auf Leistungen, die eben nicht von der Stange sind. Sie bieten Services und Produkte, die gerade die großen Konzerne nicht in der Lage sind anzubieten. Ob Sonder- oder Einzelfertigung. Deutschland lebt vom Mittelstand und man sollte daher nicht vergessen, dass wir als Unternehmer es auch in der Hand haben, diesen Mittelstand zu unterstützen. Eben nicht nur die "A-Brands" kaufen, sondern sich bewusst für einen kleineren in Europa/Deutschland beheimateten Betrieb entscheiden.