E-Commerce-Pionier: Bechtle-Vorstand Jürgen Schäfer: »Ich bin ein Überzeugungstäter«

In 30 Jahren hat Mitarbeiter Nummer 24 Bechtle zu einem Milliarden-Unternehmen mit globalem IT-Handelsgeschäft wachsen sehen. Keine Hürde, keine Krise konnte groß genug sein, um Vorstand Jürgen Schäfer verzweifeln zu lassen. Sein und Bechtles Erfolg beruht auf Menschen, nicht Maschinen.

Schwäbischer Sinatra

»Man braucht dafür Menschen, für die Geisteshaltung zählt und die an die gleichen Ideale glauben«
(Foto: CRN)

Bei Schick und dem sehr ehrgeizigen Klenk musste sich der Eindruck verfestigt haben, Kollege Schäfer brauche noch höhere Hürden. Als er das E-Commerce-Geschäft in Deutschland etablierte, war es soweit, wieder einmal den typisch schwäbischen Motivations-Charme spielen zu lassen: net gschimpft isch globt gnug. Also packen wir England und die Schweiz an, sagte Schick zu Schäfer. »Oh Gott«, dachte dieser insgeheim. »Warum nicht Frankreich, da wäre die Logistik doch leichter auszuweiten gewesen als über den Kanal. Und erst recht die Schweiz mit ihren vielen Sprachen!«

Typisch Gerhard Schick, den viele in der IT-Branche aufgrund seines aus einfachen Verhältnissen stammenden Pragmatismus und seiner Bodenständigkeit viele Jahre unterschätzt hatten. Dass der damals schon erfahrene Manager indes immer zuerst die dicksten Bretter zu bohren begann, erkannten viele nicht. Also musste sich Schwabe Schäfer in England und der Schweiz bewähren, was Sinatra für sein geliebtes New York ausgab: »If I can make it there, I'll make it anywhere«.

Schäfer hat es bewiesen, dass Bechtle das Handelsgeschäft rein nur für B2B-Kunden heute in 14 Ländern Europas und über enge Partnerschaften auch in anderen Kontinenten beherrscht. Deutlich mehr als eine Milliarde Euro wird die E-Commerce-Sparte in diesem Jahr umsetzen. Klassische Wettbewerber wie Misco oder Insight sind praktisch im B2B-Internethandel ausgeschieden, eine Amazon Business beobachtet Schäfer schon »sehr, sehr intensiv«. Aber der Unterschied liege ganz klar bei »den Menschen, die unsere Kunden beraten«, sagt Schäfer, der von sich sagt, er sei ein »Überzeugungstäter«.

Diese Bechtle-DNA überträgt Schäfer übrigens auch auf das mittlerweile globale Partnerökosystem von Bechtle. Rollouts für globale Kunden in Brasilien, China oder Südafrika erbringen Partner in der gleichen Qualität und Kundenorientierung, wie sie das Neckarsulmer Systemhaus in der DACH-Region für sich reklamiert. Werte, die Bechtle groß gemacht haben. »Man braucht dafür Menschen, für die Geisteshaltung zählt und die an die gleichen Ideale glauben«, ist Schäfer überzeugt. Wer sie findet, dem bleibt so mancher dunkle Tag erspart.

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