CRN-Kopfnuss: Durchgecheckt von Doktor Frankenstein

Die Ankündigung, dass nach Apple nun auch noch Amazon eigene Kliniken für Angestellte und deren Angehörige einführen will, löst weltweit ein quasi Orwellsches Unbehagen aus.

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Die Ankündigung, dass nach Apple nun auch noch Amazon eigene Kliniken für Angestellte und deren Angehörige einzuführen plant, löste weltweit ein quasi Orwellsches Unbehagen aus. Das liegt auch daran, dass die Konzerne gar nicht erst vorschützten, sich effektiver als die staatliche Einrichtungen um das gesundheitliche Wohl ihrer Mitarbeiter kümmern zu wollen – stattdessen stehen Kostensenkungsmaßnahmen im Vordergrund, denn ein offenbar äußerst ineffektives Gesundheitssystem in den USA belastet auch die Arbeitgeber stark. Apple betrachtet die hauseigenen Gesundheitseinrichtungen darüber hinaus als ein sinnvolles Experimentierfeld für bereits bestehende und künftige Lösungen im Healthcare-Feld. Doktor Frankenstein lässt grüßen!

Wer bisher noch nicht an die Theorie glaubte, dass die Großkonzerne an der Errichtung von Parallelgesellschaften zur Ablösung der Nationalstaaten tüftelten, darf jetzt getrost nachdenklich werden. Denn schon bald bilden die Konzerne für ihre Staatsangehörigen womöglich die komplette Lebensumgebung selbst ab – von der Konzern-Wohnanlage über das Konzern-Ausbildungssystem über das Konzern-Einkaufszentrum bis zum Konzern-Pflegeheim.

Wer aber kontrolliert dann noch die Konzern-Kliniken? Die Gruselvision vom Konzern-bestellten Doktor Frankenstein, der die Mitarbeiter in gefügige Arbeitsmaschinen manipuliert, scheint da nicht mehr abwegig. Und was passiert, wenn die Behandlung,wie es auch in den staatlichen Einrichtungen vorkommen soll, gar zum Ableben des Patienten führt? Ach so, dann übernimmt natürlich – angemessen betroffen – der konzerneigene Bestattungsdienst.

Kommentare (1) Alle Kommentare

Antwort von Telkotalk , 06:51 Uhr

Was ist an Firmen-Kliniken so ungewöhnlich? Der Betriebsarzt ist in großen Firmen vielfach noch immer üblich und Anfang des 20. Jahrhunderts gab es auch in Deutschland zahlreiche große Firmen, die neue Mitarbeiter mit günstigen Wohnungen, Kindergärten und vereinzelt mit Krankenhäusern anlockten.

Wenn sich die Kopfnuss schon bei Apple gruselt, was macht sie dann bei Behringer? Die Behringer City nahe Zhongshan (Provinz Guangdong, China) hat neben den Wohnungen auch eigene Kindergärten, Schulen, eine Universität und natürlich auch ein eigenes Krankenhaus. Die Grundsteine dafür wurden schon 2002 gelegt. Die Motivitation auch hier die Rekrutierung von gut ausgebildetem und motiviertem Personal. Das betreiben von Wohnheimen für die vielen Wanderarbeiter ist in China ohnehin üblich, aber Behringer möchte die Mitarbeiter ausbilden und da das ja Geld kostet, natürlich auch binden.