Ende des Kryptomining-Booms: Grafikkarten-Überschuss belastet den Handel

Monatelang waren Grafikkarten teure Mangelware, nach dem vorläufigen Ende des Kryptomining-Booms gibt es jetzt plötzlich zu viele, die wie Blei in den Regalen liegen. Verstärkt wird das Problem für den Handel dadurch, dass die Hersteller die Preise dennoch auf dem hohen Niveau halten wollen.

Nach monatelangen Allokationen sind die Grafikkarten-Topmodelle jetzt wieder verfügbar - viele Kunden wollen aber lieber gleich auf die nächste Generation warten
(Foto: Nvidia)

Das Geschäft mit Grafikkarten bleibt für Hersteller, Distribution und Fachhandel weiterhin problematisch, wenn auch nun unter neuen Vorzeichen. Mehr als ein Jahr lang waren insbesondere die begehrten und margenträchtigen Modelle der Mittel- und Oberklasse immer schwieriger zu bekommen und wurden immer teurer. Diese Kombination aus langen Wartezeiten und oft fast verdoppelten Preisen verschreckte ausgerechnet die an sich kauffreudige Gamer-Kundschaft zuletzt fast komplett und drückte damit auch auf das Geschäft mit Komplettsystemen und anderen Gaming-Komponenten.

Der Grund für diese Krise war der große Mining-Boom bei Kryptowährungen, der zu regelrechten Bieter- und Preisschlachten geführt hatte, sodass nur noch ein Bruchteil der Grafikkarten im normalen Handelsweg ankam (CRN berichtete). Inzwischen sind die Blockchain-Gelder allerdings in vielen Märkten stark reguliert oder gar verboten worden und ihre Kurse damit so weit abgestürzt, dass sich das Schürfen höchstens noch für spezialisierte Mining-Unternehmen mit riesigen Rechenzentren in besonderen Lagen wie dem energiereichen und zugleich kalten Island lohnt.

Allerdings führt das kaum zu einer Entspannung der Lage. Zwar haben die GPU-Produzenten nun plötzlich einen Überschuss und volle Lagerhallen, allerdings sind die Preise nach anfänglichen leichten Senkungen noch immer auf einem vergleichsweise hohen Niveau. Während einige Hersteller hier offenbar darauf hoffen, weiterhin satte Gewinne einfahren zu können, stellt das den Handel vor das nächste Problem. Da inzwischen schon die nächsten Generationen anstehen, sind die Kunden nicht mehr bereit, die aufgerufenen Preise für die alten Modelle zu bezahlen. Nachdem viele bereits seit Monaten mit der Anschaffung neuer Gaming-PCs und Komponenten zur Aufrüstung warten, wollen sie sich nun lieber noch etwas länger gedulden und dafür gleich in die neuen Modelle investieren, zumal dann auch neue CPUs aus AMDs Ryzen-2- und Intels Coffee-Lake oder gar schon Cannon-Lake-Serien vor der Türe stehen.

Übersicht