Viel Hype, nichts dahinter: Des Kaisers neue Krypto-Kleider

Der Bitcoin-Hype weckt auch bei vielen ITK-Firmen einige Begehrlichkeiten. Oft steckt dahinter allerdings noch weniger Substanz, als bei den großen Kryptowährungen. Zudem macht der Mining-Boom dem Fachhandel und der Distribution schwer zu schaffen.

Obwohl ihr einziger Wert in der künstlichen Verknappung liegt, erfasst das durch Kryptowährungen ausgelöste Fieber immer mehr Unternehmen, die sich mit einem eigenen Coin und der modern anmutenden Blockchain-Technologie schmücken wollen. Welch zweifelhafte Blüten das treiben kann, zeigt der gestrauchelte Foto-Dinosaurier Kodak. Dessen Ankündigung, mit einem eigenen »KodakCoin« und entsprechender Blockchain künftig die Bezahlung und Bildrechte auf der neuen Fotoplattform »KodakOne« abzusichern, wurde sogleich als Zeichen der Wiederauferstehung des Unternehmens gefeiert. Sofort schoss der Aktienkurs steil nach oben.

Bei genauerem Hinsehen hat der inzwischen verschobene KodakCoin mit Kodak jedoch außer dem – in Lizenz genutzten – Namen nicht viel gemeinsam. Löst man die bewusste Verknappung der Informationen auf, steckt dahinter das Berliner Startup Ryde, das sich mit dem digitalen Schutz von Bildrechten befasst und zuvor schon eine ähnliche eigene Kryptowährung per Crowdfunding in den Sand gesetzt hat.

Das zeigt, dass nicht nur Cyberkriminelle im großen Kryptohype mit naiven Kunden erfolgreich schnelles Geld verdienen und ihr Image aufpolieren. Wahrscheinlich hätte sich auch die Air-Berlin-Pleite vermeiden lassen, wären die Verantwortlichen nur gewitzt genug gewesen, noch schnell einen eigenen Coin samt Blockchain-Tickets auf den Markt zu werfen.

Im ITK-Channel sorgt der Krypto-Boom indes noch aus einem anderen Grund für erhebliche Frustration. Da professionelle Schürfer für ihre gigantischen Mining-Farmen direkt bei den Herstellern Unmengen an Grafikkarten aufkaufen, bleibt für den klassischen Vertriebskanal kaum mehr Ware übrig. Als langjährige Partner fühlen sich Distributoren wie Fachhändler, die ihre Kunden nicht mehr bedienen können, daher für die schnellen Gewinninteressen der Hersteller ausgebootet. Hier wird die Verknappung dann plötzlich ganz real. Zumindest bis die Kurse ins Bodenlose stürzen und die erste große Kryptowährung vollends zusammenbricht.

Mit den besten Grüßen,

Lars Bube

Leitender Redakteur CRN

Kommentare (1) Alle Kommentare

Antwort von Robert Meier , 11:02 Uhr

Wie richtig geschrieben hat ja Ryde schon einmal versucht mittels Crowdfunding das Geschäftsmodell zu finanzieren und ist dabei komplett gescheitert und die Investoren haben alle ihr Geld verloren. Auch das ursprüngliche Geschäftsmodell von Ryde, die Nachlizenzierung von Bildrechten hat kommerziell nicht funktioniert und es gab zahlreiche Beschwerden von Unternehmen, die von gezielter Abzocke berichten.

Nun ist das der 3. Versuch, der wieder extrem riskant für Anleger im In- und Ausland ist, da nachweislich das Geschäftsmodell bis dato nirgendwo funktioniert und andererseits auch die Regulierungsauflagen für ICOs in diversen Ländern total unterschiedlich ist.