Distributoren empört über Amazon: Amazon-Lieferanten im Würgegriff

Distributoren erheben massive Vorwürfe gegen Amazon: Rechnungen bleiben unbeglichen, werden wegen angeblicher Lieferverstöße gekürzt, Waren verschwinden trotz dokumentierter Zustellung. Gegenüber CRN packen Grossisten aus, der Frust sitzt tief.

Unerbittlich gegen das eigene Ökosystem

»Größtmögliche Kooperation schlägt in größtmögliche Konfrontation um«, berichtet ein Amazon-Marketplace-Händler im Gespräch mit CRN.

Wesentlich zur Marktmacht Amazon tragen die über 60.000 Marketplace-Händler bei, die auf der Amazon-Plattform ihre Waren verkaufen und zwar in Konkurrenz gegen Amazon selbst. Aufgrund der gewaltigen Reichweite und der Aussicht auf schnell steigende Umsätze scheint Amazon für viele Händler unverzichtbar. Doch viele, die Amazon als einzigen Absatzkanal nutzen, gehen ein hohes Risiko ein. Denn sie liefern Amazon wertvolle Daten über Kunden, Bezugsquellen, Einkaufspreise, Margen und Nachfrage. Läuft das Geschäft eines Marketplace-Händlers gut, besteht immer die Gefahr, dass der Onlineriese den Verkauf in die eigene Hand nehmen will – vorbei am Händler. Die kürzlich in der ARD ausgestrahlte und in der Mediathek noch bis 27.November 2018 verfügbare Dokumentation »Das System Amazon« zeigt, wie Amazon Druck auf Marketplace-Händler ausübt.

Um die Echtheit der Produkte zu überprüfen, kann Amazon vom Händler detaillierte Lieferantennachweise verlangen. Kommt der Händler dieser Forderung nicht nach, ist Amazon berechtig, den Händler-Shop zu sperren – auch ohne Angabe von Gründen. Statt Bestellungen selber zu verschicken, lässt der ARD-Beitrag Händler zu Wort kommen, die von Amazon dazu gedrängt wurden, ihre Waren bei Amazon zu lagern und vom Etailer verschicken zu lassen. Eine längere Sperrung des Händler-Shops kann zur Insolvenz führen. Ebenso angebliche Systemfehler, die eine Auszahlung der Händler-Guthaben bei Amazon verzögern. Ende Oktober sorgte dies für große Verunsicherung bei Marketplace-Händlern, wie CRN berichtete.

Amazon sei anfangs super kooperativ. Trotz hoher Provisionen von acht bis 15 Prozent würden sich für viele Händler recht schnell Erfolge einstellen, berichtet ein Marketplace-Händler CRN. »Dann aber wird es auch schnell ungemütlich«, sagt der Betroffene. »Größtmögliche Kooperation schlägt in größtmögliche Konfrontation um.« Das können »kleine Nadelstiche sein« wie die Bannereinblendung eines Wettbewerbsangebots auf der Produktseite eines Marketplace-Händlers bis hin zum faktischen Ausschalten der Händlerseite wegen angeblichem Plagiatsvorwurf.

Die Domain www.relentless.com verweist übrigens auf Amazon.de und ist für alle Lieferanten in Amazons Ökosystem durchaus als Drohung gemeint. Übersetzt heißt die URL: unerbittlich.

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Kommentare (16) Alle Kommentare

Antwort von Greg , 11:13 Uhr

ich verstehe die distris nicht:

wenn mein kunden nicht zahlen will, sich was abzieht oder sonstiges beliefere ich den kunden nicht mehr. aber wenn die distris alle so geldgeil und gierig sind, dann sind sie selber schuld, da hab ich auch kein mitleid. dafür gibt's aber für den zahlenden resseler-kunden keinen euro nachlass wenn man mal 100 SSD platten kaufen will. - die gleiche ware kriegt man dann wieder bei Amazon 10euro billiger … und die Händler die bei Amazon verkaufen müssen sich doch auch nicht alles gefallen lassen, aber die gier…

teufelskreislauf

Antwort von Kathrin , 04:36 Uhr

Das Problem ist, dass das Amazon System total undurchsichtig ist.

1. Obwohl 3,90 EUR als Kosten angegeben ist, wird ploetzlich dauernd 4,90 EUR verrechnet

2. Mengen vom Lager sind ploetzlich verschwunden, und keiner beantwortet dir die Frage, wo die Ware ploetzlich hin ist

3. Auch unklar ist, wie die Retouren von den Kunden verrechnet werden

4. Wir wollen gerade unsere Ware zurueckholen, aber sind auf Teflon gestossen, keiner in Amazon kuemmert sich darum, die Ware kommt nicht mehr zurueck, und jeden Tag bekommt man ein nutzloses Email von einem anderen Angestellten, der generell kein Interesse hat, sondern nur schreibt: Hallo Ich heisse Dirk , Sie haben dieses Papier nicht ausgefuellt… Obwohl wir schon 1000x mal dieses Papier an alle Angestellten davor geschickt haben.

Es handelt sich hier um ein echtes Mafia System, nach einem halben Jahr Liefern an Amazon haben wir mal nachgerechnet und festgestellt, dass die Verluste viel hoeher sind als die Gewinne. Dies passiert, da verschiedene Sachen unrechtmaessig verrechnet werden, aber diese Reklamationen werden nicht geloest. Wir haben nach 2 Monaten immer noch keine Antwort, warum ploeztlich die Lagermengen nicht mehr stimmen.

AUF KEINEN FALL AN AMAZON LIEFERN!!! NUR VERLUST !!!!

Antwort von Romida , 08:09 Uhr

Es ist ein schöner Bericht über das Verhalten von Amazon, aber auch von den Distributoren.

Es stellen sich mir dadurch nur mehrere Fragen an die Distributoren:

- Warum machen die Distributoren das denn mit, wenn es so schrecklich ist.

- Wieso unterstützen Sie nicht lieber dann die kleinen Händler mit fairen Preisen

- Seit Jahren sagen sie Sie können nichts gegen die Preise der Hersteller machen,

wann werden Sie endlich aktiv.

- obwohl Ihnen die Mehrzahl der kleinen Händler immer wieder sagt dass Sie inzwischen nur noch

über Amazon bestellen, reagieren Sie darauf mit Ihrer Preisgestaltung ebenfalls nicht.

- Sie nehmen in Kauf Ihre Firma zu ruinieren, nur weil Sie weiter an Amazon verkaufen, statt an kleine

Händler.

Ich bin jetzt seit 14 Jahren Händler und habe die Diskussion über die Schweinepreise mit bekommen, danach sind viele kleine Händler verschwunden,

und der Rest hat reagiert und bei Amazon oder ähnlichem eingekauft.

Warum soll es uns jucken wenn die Distributoren sich verabschieden und abgewickelt werden.

Hat es einen Distributor gejuckt das die kleinen Händler sterben.

Ich sehe es so heute Amazon, morgen vielleicht ein anderer, am Ende wird der Druck auf die Hersteller kommen.

Von denen dann irgendein Onliner Preise verlangt zu dem Sie die Ware nicht mehr herstellen können, dann sind danach halt einige Hersteller weniger auf dem Markt.

Nur noch eins gebe ich zu Bedenken, ich als kleiner Händler kann keine Macht auf den Markt ausüben, ich muss schnell reagieren wenn ich überleben will.

Und wenn ein Unternehmen mir die gleiche Ware zu wesentlich besseren Bedingungen liefert, muss ich möglichst schnell zu dem wechseln, damit ich überlebe.

Denn dem Kunden ist es egal wo ich meine Ware herbekomme, nur der Preis und die Leistung bzw. der Service muss stimmen.

Und dann kann ich mir es nicht leisten Ware die teurerer als der Fertige Preis (Preis der Ware + MwSt. + Versand + Maut) bei einem Onliner ist bei einer Distribution zu kaufen.