Trendwende im Chip-Markt: AMD will Intels Schwächen nutzen

Während Intel seine Chipsparte derzeit fast schon etwas stiefmütterlich behandelt, kann der ewige Konkurrent AMD mit guten Produkten und vermehrtem Einsatz wieder einiges an Boden gut machen und wertvolle neue Kunden gewinnen.

In diesen Tagen bringt Intel mit »Coffee Lake« die inzwischen achte Generation seiner Core-i-Prozessorenfamilie auf den Markt. Doch auch wenn der Hersteller den Launch mit dem üblichen Marketinggetöse begleitet, kann sich die Jubelstimmung auf Experten, Händlern und Kunden bislang nicht so richtig übertragen. Einer der Hauptgründe dafür ist die anhaltende Innovationsflaute. Einzig nennenswerte Neuerung ist die Einführung von vorerst vier CPUs mit sechs Kernen und zwölf Threads im Mainstream-Desktop-Bereich. Neben dem neuen Core i7-Flaggschiff »8700K« und seinem nicht übertaktbaren Bruder »8700« wird es dabei auch im i5-Bereich mit dem »8600K« und »8400« zwei entsprechende Modelle geben. Da Intel seine Preisstruktur von den Vorgängern aus der 7. Generation beibehält, liegt der Einstiegspreis ins neue Segment mit rund 200 Euro für Intel-Verhältnisse relativ niedrig.

In Sachen Architektur und Fertigungsprozess bleibt allerdings – schon wieder – alles beim Alten. Und das ist inzwischen für die Chip-Industrie sehr alt. Coffee Lake ist bereits die vierte Generation in Folge, die auf das 14-nm-Verfahren setzt, auch wenn Intel mit der Weiterentwicklung »14++« im Desktop-Bereich rund 15 und im stromsparenden Mobilsegment sogar bis zu 30 Prozent mehr Leistung herauskitzeln will. Auch die Architektur geht mit Coffee Lake bereits in ihre dritte Ausbaustufe. Damit ist auch der ursprünglich angedachte Wechsel vom einstigen Tick-Tock-Modell auf einen dreistufigen Evolutionszyklus schon wieder passé. Stattdessen will Intel künftig, ähnlich wie bei Software derzeit Mode ist, seine Chips eher sukzessive in vielen kleinen Schritten verbessern.

Trotz der Weiterführung der Technologie enttäuscht Intel aber gleichzeitig alle Kunden, die darauf gehofft hatten, dadurch wenigstens die Abwärtskompatibilität zu erhalten und so ihre alten Rechner mit den neuen CPUs aufrüsten zu können. Denn auch wenn Coffee Lake weiterhin den von den aktuellen Prozessoren bekannten Sockel LGA1151 nutzt, muss entsprechenden Aufrüstplänen eine Absage erteilt werden. Denn die achte Generation der Intel-CPUs setzt die neue Version »LGA1151 v2« und vor allem auch die neuen Chipsätze der 300er-Baureihe voraus. Da diese vor allem höhere Taktraten und Stromstärken erlaubt, reicht ein bloßes Softwareupdate der Vorgänger nicht aus und aufrüstungswillige Kunden benötigen gleichzeitig auch neue Motherboards. Auch umgekehrt ist die Kompatibilität zwischen neuen Motherboards und alten CPUs nach ersten Informationen nicht gegeben. Die Reaktionen aus dem Fachhandel auf diese Nachricht fallen äußerst unterschiedlich aus. Während einige Händler sich dadurch Zusatzverkäufe erhoffen, befürchten andere eine weitere Schwächung des sowieso schon unter Dauerdruck stehenden PC-Absatzes.

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