Vernetzung statt Pixelzählerei: Fotobranche muss von Smartphones lernen

Der Verkauf von Digitalkameras ist auch 2016 kein einfaches Business. Neben den ­anhaltenden Absatzschwierigkeiten macht das schwere Erdbeben im japanischen Kumamoto vom April der Branche zu schaffen. Industrie und Handel müssen auf die ­veränderten Kundenwünsche der Generation Smartphone eingehen.

Die vergangenen Jahre waren keine Herrenjahre für die Digital Imaging-Branche. Der Smartphone-Boom in Verbindung mit immer leistungsfähigeren integrierten Kameramodulen sorgte dafür, dass die Verkaufszahlen vor allem bei günstigen Kompaktkameras einbrachen. Während die Zahl der verkauften Smartphones laut GfK allein in Deutschland von 14,5 Millionen (2011) auf 25,1 Millionen Exemplare (2015) zulegte, sackte die Zahl der verkauften digitalen Geräte von 7,47 Millionen auf nur noch 3,09 Millionen im vergangenen Jahr ab. Im gleichen Zeitraum fiel der mit Kompaktkameras erzielte Umsatz von rund einer Milliarde auf 623 Millionen Euro. »Fest steht, die gesamte Imaging Branche befindet sich im Umbruch. Der starke Anstieg der Smartphonefotografie hat die Branche vor große Herausforderungen gestellt«, bestätigt Guido Jacobs, Country Director Manager Consumer Imaging Group bei Canon Deutschland.
Diese Entwicklung hat inzwischen auch das bis 2013 wachsende Prosumer-Segment der digitalen Spiegelreflex- und Systemkameras erfasst. Wurden vor drei Jahren hierzulande noch rund eine Million DSLR-Kameras abgesetzt, sackte dieser Wert 2014 auf 720.000 und im vergangenen Jahr auf 630.000 ab. Den Negativtrend können auch die Systemkameras trotz ihrer leicht positiven Entwicklung nicht aufhalten: Wurden 2013 noch 230.000 Exemplare dieses Kameratyps in Deutschland verkauft, waren es 2014 270.000 Stück und im vergangenen Jahr 276.0000. Hier ging der Umsatz allerdings von 860 Millionen Euro im Jahr 2013 auf 610 Millionen Euro im vergangenen Jahr zurück.

»Der Trend der gestiegenen Nachfrage nach Smartphones mit hoher Fotoqualität wird sich 2016 weiter fortsetzen«, ist man sich beim Photoindustrie-Verband (PIV) sicher. Ob die Rückgänge im Bereich der Kompakt- und Spiegelreflexkameras 2016 gestoppt werden könnten, müsse nach der Entwicklung 2015 angezweifelt werden. Diese Einschätzung untermauern auch die aktuellen Zahlen des »Consumer Electronics Marktindex Deutschland« (CEMIX) der gfu für das erste Halbjahr 2016. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum ging die Zahl der abgesetzten Digitalkameras demnach von 1,56 Millionen auf 1,2 Millionen Exemplare zurück, was einem Minus von 24,5 Prozent entspricht. Der Umsatz fiel von 515 Millionen auf 435 Millionen Euro (minus 15,5 Prozent). Ein Lichtblick: Im selben Zeitraum erhöhte sich der Durchschnittspreis je verkauftem Gerät um zwölf Prozent von 323 auf 361 Euro. Auch beim PIV wird erwartet, dass sich der Trend von 2015 nach hochwertigen Kameras sowohl im Kompaktkamerasegment als auch im Bereich der hochwertigen System- und DSLR-Kameras fortsetzen wird.

Hans-Jürgen Schneider vom Spezialdistributor DexxIT aus Würzburg schätzt 2016 ebenfalls als ein schwieriges Jahr sowohl für die Hersteller als auch für den gesamten Handel mit digitalen Kameras in allen Vertriebsformen ein: »Die anhaltende Absatzschwäche im Kameraverkauf setzte sich auch 2016 unverändert fort«, so das Fazit des Vertriebsleiters. Der Manager verweist in diesem Zusammenhang auf einen weiteren Umstand, welcher der Branche in diesem Jahr zusätzlich zu schaffen macht.