Chip-Innovationsprozess verlangsamt sich: Intel: Das Ende des Mooreschen Gesetzes

50 Jahre nachdem Intel-Mitbegründer Gordon Moore das nach ihm benannte Gesetz postuliert hat, wonach sich die Komplexität integrierter Schaltkreise alle zwei Jahre verdoppelt, kommt der Chipgigant jetzt mit der Weiterentwicklung nicht mehr hinterher.

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Seit Intel-Mitbegründer Gordon Moore 1965 die These aufgestellt hat, dass sich die Komplexität integrierter Halbleiterschaltkreise alle zwei Jahre verdoppelt, war das später nach ihm benannte Mooresche Gesetz eine der wichtigsten Grundlagen der gesamten Chipindustrie. Bei Intel hat es sich unter anderem im berühmten Tick-Tock Entwicklungszyklus für Prozessoren niedergeschlagen. Auf ein Jahr des Tick mit der Einführung einer neuen und kleineren Fertigungstechnologie zur Erhöhung der Anzahl der Transistoren folgt seither stets ein Jahr des Tock, das dem Umbau der Architektur der Chips zur Effizienzsteigerung gewidmet ist. Zwar hat es zwischenzeitlich immer wieder Diskussionen um das Mooresche Gesetz gegeben. Einerseits stritten die Experten, da Moore zunächst von einer jährlichen Verdopplung gesprochen, dies aber später auf einen Zweijahreszyklus korrigiert hatte. Andererseits gab es immer wieder Auguren, die das Ende des Gesetzes aufgrund von physikalischen und technologischen Grenzen in der Fertigung vorhersagten. Bislang wurden diese Skeptiker letztlich jedoch von Intel und anderen Herstellern noch immer wieder eines Besseren belehrt. Die meisten Experten und Intel-Mitarbeiter gingen deshalb bisher davon aus, dass das Mooresche Gesetz noch einige Jahrzehnte Bestand haben werde. So hatte etwa Pat Gelsinger als Chef von Intels Digital-Enterprise-Sparte prophezeit, dass sein Unternehmen die Verdopplung noch bis etwa 2030 schaffen werde.

Doch nun scheinen die Grenzen des Mooreschen Gesetzes tatsächlich erreicht. Schon in den letzten Jahren hatte sich abgezeichnet, dass es für die Chiphersteller immer schwieriger wird, noch mit der angepeilten Verdopplung Schritt zu halten. Beim letzten Schritt, der Verkleinerung der Fertigung auf 14-Nanometer-Strukturen, hinkte Intel dem Zeitplan bereits einige Monate hinterher. Jetzt hat sogar Intel-CEO Brian Krzanich am Rande der Veranstaltung zur Vorstellung der aktuellen Quartalszahlen eingestanden, Intel könne das »Mooresche Law nicht mehr einhalten«. 2016 wird es seiner Aussage zufolge definitiv keine Umstellung auf 10 Nanometer geben. Dafür soll es eine dritte Serie von 14-Nanometer-Chips geben. Erst im zweiten Halbjahr 2017 soll dann die neue Chipgeneration dann folgen. Für die nächsten Jahre rechnet Krzanich mit einem Zyklus von jeweils zweieinhalb bis drei Jahren für die Verkleinerung seiner Prozessoren.

Einer der letzten Hoffnungsträger für das Mooresche Gesetz könnte damit Intels Konkurrent IBM sein. Zwar hat das Unternehmen seine Chipproduktion im vergangenen Jahr an Globalfoundries verkauft, allerdings die eigene Chip-Forschungsabteilung behalten. Diese hat erst vor wenigen Tagen einen Chip in der noch kleineren 7-Nanometer-Bauweise vorgestellt. Allerdings ist auch dieser noch ein gutes Stück von der Serienreife entfernt.