Einer unter vielen: Apple - Von herausragender Durchschnittlichkeit

Apples Produktpräsentation hat selbst viele der bekennenden iFans nicht hinter dem Sofa hervorlocken können. Das Geschäft funktioniert kurioserweise dennoch.

Apple scheinen durchschnittliche Produkte nicht zu schaden. Zwar sackte die Aktie des Unternehmens kurz nach der Präsentation ein, in Hinblick auf rekordverdächtige Vorbestellungen für das »iPhone 6 Plus« schoss der Kurs aber wieder nach oben. Dabei bietet Apple mit diesem Gerät Technik, die es so oder so ähnlich schon bei weniger gehypteren Wettbewerbern deutlich günstiger zu erstehen gibt. Auch die Smartwatch kann sich nicht vor die Konkurrenz setzen. »Da die Apple Watch noch das erste Produkt in dieser neuen Kategorie ist, können wir in der Zukunft wohl größere Innovationen von Apple erwarten«, sagt Niharika Midha, Analystin bei GlobalData. Die Zukunft muss in diesem Fall auch zeigen, ob und wie die Käufer das Device annehmen.

Und dennoch wird sich das iPhone 6 gut verkaufen. Und dennoch wird Apple als Sieger aus diesem Produktrennen hervorgehen. Denn das Unternehmen weiß sich immer noch zu verkaufen und die von Jobs geprägte Magie mit dem rationaleren Herangehen von Tim Cook aufrechtzuerhalten - wenn auch mit mehr Mühe und offensichtlicher Unselbstverständlichkeit. Es wird keine plötzlichen Absatzeinbrüche geben und keine verwaisten Apple-Shops. Dafür ist die treue Käuferbasis viel zu groß, die Marktdurchdringung viel zu weitreichend.

Was jedoch stattfindet, ist eine voranschreitende Nivellierung Apples hin zum durchschnittlichen ITK-Hersteller. Dafür sprechen die ausbleibenden Innovationen, der schwankende Aktienkurs, die Öffnung für den Channel und nicht zuletzt die Insolvenzwelle unter den Apple-Händlern. Dieser Hersteller macht immer noch hervorragende Produkte und integriert sie in ein unvergleichliches System. Schritt für Schritt muss sich das Unternehmen jetzt aber damit abfinden, nicht mehr der alleinige Vorreiter der Branche zu sein. Das muss Cupertino letztendlich mit einer neuen Preispolitik zeigen, aber auch bei der eigenen Channel-Strategie und damit einhergehend, höheren Margen für Händler. Ansonsten könnte Apple letztendlich doch in der Masse der unspektakulären Durchschnittlichkeit verschwinden.

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