Kommentar zu den aktuellen Apple-Geschäftszahlen: Der Tablet-Boom ist vorbei

Ebenso wie kürzlich Samsung meldet auch Apple ein rückläufiges Tablet-Geschäft. Das macht deutlich: Der Tablet-Boom geht zu Ende! Der Gerätekategorie droht das gleiche Schicksal wie einst dem »Eee PC«.

Boom zu Ende: Das iPad verkauft sich ebenso schwach wie die aktuellen Samsung-Tablets. (Foto: Apple)

Apple hat einmal mehr glänzende Quartalszahlen vorgelegt, von denen andere Computerhersteller nur träumen können. Der US-Konzern erwirtschaftete in den Monaten von April bis Juni 2014 insgesamt 37,4 Milliarden US-Dollar (27,8 Milliarden Euro), fast sechs Prozent mehr als im entsprechenden Vorjahresquartal. Der Gewinn stieg im gleichen Zeitraum um mehr als zehn Prozent auf 7,7 Milliarden US-Dollar (5,7 Milliarden Euro).

Wer sich die Zahlen genau ansieht, stellt fest: Das Wachstum bei Apple resultiert aus steigenden Verkaufszahlen für das iPhone und den sehr guten Verkäufen der klassischen Mac-Computer. Die iPhone-Verkäufe stiegen um 13 Prozent, der Absatz von iMac, Macbook & Co. kletterte sogar um 18 Prozent. Der Verkauf der iPads sank hingegen im Jahresvergleich um neun Prozent.

Erst vor wenigen Tagen hatte der südkoreanische Apple-Rivale Samsung nicht nur einen Gewinneinbruch gemeldet, sondern auch eingeräumt, dass insbesondere der Verkauf von Tablets schwach sei. Diese parallele Entwicklung beim Tablet-Absatz der beiden Platzhirsche im Markt macht deutlich: Der jahrelange Boom der Touch-Computer neigt sich dem Ende entgegen.

Die Hersteller selbst erklären sich den Rückgang dadurch, dass Tablets nicht so häufig ersetzt werden wie Smartphones. Die Frage ist, ob damit alles gesagt ist, oder ob Tablets nicht ähnlich wie das Mini-Notebook (»Eee PC«) in erster Linie eine technische Mode-Erscheinung sind und bald dort landen werden, wo sich Eee PC & Co. bereits befinden – in der Bedeutungslosigkeit.

Smartphones und – für alle Freunde größerer Bildschirme – Phablets sind leistungsfähiger als Tablets und damit für viele mobile Einsatzszenarien besser geeignet. iPad & Co. versagen allerdings nicht nur im mobilen Bereich, sondern auch als Heim-PC. Hier sind viele Tablet-Käufer enttäuscht über die im Vergleich zu Notebook und PC eingeschränkte Leistung der Tablets (kleines Display, kaum Speicherplatz, schwache Prozessoren). Andere stellen fest, dass sie neben Smartphone und PC kein Dritt-Gerät benötigen.

Wer professionell mit PC und Notebook arbeitet, wird mit dem Tablet ebenfalls nicht glücklich. Das Bearbeiten einer großen Excel-Tabelle ist auf dem Tablet-Bildschirm ebenso ein Krampf wie das Verfassen eines längeren Textes oder gar die professionelle Bearbeitung von Fotos oder Videos. So könnte der Tablet-Computer womöglich bald als weiterer Fehl-Versuch der Computer-Evolution abgehakt werden.

Die massiv steigenden Verkaufszahlen klassischer Mac-Computer lassen Hersteller und Fachhandel darauf hoffen, dass sich private und gewerbliche Verbraucher wieder vermehrt dieser leistungsfähigeren Rechnerkategorie zuwenden. Wenn Microsoft nach der Windows 8-Pleite endlich wieder ein überzeugendes Betriebssystem in petto hätte, ließe sich dieser aufkeimende Trend bei Apple womöglich auch auf die Windows-Welt übertragen.