Schwerpunkte

Einzelhandelssterben

50.000 Läden von Insolvenz bedroht

28. April 2020, 09:28 Uhr   |  dpa | Kommentar(e)

50.000 Läden von Insolvenz bedroht
© Soeren Stache/dpa

Wegen der Corona-Krise kämpft jedes sechste Geschäft im Non-Food-Einzelhandel jetzt um seine Existenz. Die Mietlast erdrückt Ladenbesitzer.

Rund jedes sechste Einzelhandelsgeschäft in Deutschland könnte nach Angaben des Handelsverbands infolge der Corona-Krise Insolvenz anmelden müssen. »Wir fürchten, dass nun bis zu 50 000 Geschäfte von Insolvenzen betroffen sein könnten, weil ihr Eigenkapital insbesondere wegen hoher Mietforderungen nicht ausreicht«, sagte der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland (HDE), Stefan Genth, den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Nach Angaben des Verbands gibt es in Deutschland rund 300 000 Einzelhandelsgeschäfte.

»In den vier Wochen Schließungen der Geschäfte im Non-Food-Bereich haben wir rund 30 Milliarden Euro Umsatz verloren, den wir auch nicht wiederbekommen werden. Pro Tag waren dies rund eine Milliarde Euro«, so Genth. In der ersten Woche nach der Öffnung sei zudem ein großer Kundenansturm ausgeblieben, zurzeit verliere der Handel täglich einen hohen dreistelligen Millionenbetrag. »Wir fürchten sehr, dass die Innenstädte nach der Krise nicht mehr so aussehen werden wie vor der Krise.«

Genth forderte deshalb einen weiteren branhenunabhängigen Rettungsfonds für angeschlagene Unternehmen, die durch die Schließung keine Umsätze erzielen konnten. »Denn bei vielen Unternehmen läuft eben der Hauptkostenblock - die Miete - trotz geschlossener Läden weiter.« Zudem solle es in der zweiten Jahreshälfte und 2021 bundesweit mehrere Sonntagsöffnungen geben, um den Konsum zu beleben.


Pleiten in Bayern steigen
Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Bayern ist im März deutlich angestiegen. Das Landesamt für Statistik in Fürth meldete am Dienstag einen Zuwachs von 18 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat bei den Insolvenzanträgen.


Die Zahl ist mit 249 zwar noch überschaubar, ein Sprecher des Landesamts sagte allerdings, die Höhe des Anstiegs sei ungewöhnlich stark. Zudem hat sich die Zahl der von den Insolvenzen betroffenen Arbeitnehmer mehr als verdreifacht. Sie lag im März bei 2.727.


Der Anstieg ist dem Landesamt zufolge ein erstes Anzeichen für eine Trendwende bei den Insolvenzen. Im gesamten ersten Quartal war die Zahl der Anmeldungen von Unternehmen und Privatpersonen nämlich noch um 7,5 Prozent gesunken. Ob die steigende Zahl der Insolvenzen bereits mit der im März aufziehenden Corona-Krise zu tun hat, lässt sich aus den Daten nicht ablesen.

Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenAuf Linkedin teilenVia Mail teilen

Verwandte Artikel

HDE

Retail