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Wie Forscher HDCP austricksen

25. November 2011, 13:07 Uhr   |  Elke von Rekowski

Wie Forscher HDCP austricksen

Als Mittelsmann manipuliert das FPGA-Board unerkannt die Kommunikation zwischen Blu-ray-Player und Flachbildschirm (Foto: Bastian Richter).

Eigentlich soll der weit verbreitete Kopierschutz HDCP von Intel sicher sein. Seit über einem Jahrzehnt vertraut die Medienindustrie darauf. Jetzt ist dieser Schutz von Wissenschaftlern aus Deutschland und mit einfachsten Mitteln geknackt worden.

Forscher der Arbeitsgruppe für Sichere Hardware um Prof. Dr.-Ing. Tim Güneysu der Ruhr-Universität Bochum konnten über einen so genannten »Man-in-the-Middle«-Angriff mit relativ wenig Aufwand das Schutzsystem einer ganzen Branche schachmatt setzen. HDCP ist mittlerweile in fast jedem HDMI- oder DVI-tauglichem TV- oder Computerflachbildschirm zu finden. Mit seiner Hilfe sollen digitale Inhalte vom geschützten Quellmedium, etwa einer Blu-ray, über einen vollständig verschlüsselten Kanal zum Bildschirm gelangen.

Sicherheitsbedenken zum HDCP-System bestehen allerdings bei manchen schon länger. Zuletzt tauchte im Jahr 2010 ein HDCP-Master-Key, der das geheime Kernelement des Verschlüsselungssystems bilden sollte, kurzzeitig auf einer Webseite auf. Hersteller Intel gab daraufhin bekannt, dass HDCP nach wie vor eine effektive Schutzkomponente für die digitale Unterhaltung darstelle. Denn die Herstellung eines HDCP-fähigen Chips mit Hilfe dieses Master-Keys sei hochgradig komplex und teuer. Das ließ die Bochumer Forscher aufhorchen. »Auf Basis eines günstigen FPGA-Boards haben wir stattdessen eine eigenständige Hardwarelösung entwickelt«, sagtProf. Dr.-Ing. Tim Güneysu, der sich gemeinsam mit Diplomand Benno Lomb ans Werk machte. Auf diese Weise konnten die Forscher die HDCP-verschlüsselten Datenströme abgreifen, entschlüsseln und die digitalen Inhalte an einen ungesicherten Bildschirm oder ein entsprechendes HDMI 1.3-fähiges Aufnahmegerät senden. Zum Einsatz kam den Wissenschaftlern zufolge das kommerzielle ATLYS-Board der Firma Digilent mit einem Xilinx Spartan-6 FPGA, das über die notwendigen HDMI-Schnittstellen und einen seriellen RS232-Port zur Kommunikation verfügt.

Bei ihren Studien ging es den Forschern nicht darum einen Weg zu finden, wie sich etwa illegale Kopien erstellen ließen. »Unsere Absicht war es vielmehr, die Sicherheit des HDCP-Systems grundlegend zu untersuchen und den tatsächlichen Aufwand für den kompletten Knockout finanziell zu bemessen«, berichtet Prof. Güneysu. »Dass wir in einer Diplomarbeit und mit Materialkosten von etwa 200 Euro unser Ziel erreicht haben, spricht definitiv nicht für die Sicherheit des aktuellen HDCP-Systems«.

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