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Trumps Handelskriege

Russisches Roulette mit der Weltwirtschaft

13. Dezember 2019, 15:35 Uhr   |  dpa | Kommentar(e)

Russisches Roulette mit der Weltwirtschaft
© markd800 - AdobeStock

US-Präsident Trump ist stolz auf seine Handelskriege. Bei seinen Anhängern kommt das ein Jahr vor der Wahl an. Die Weltwirtschaft aber leidet darunter. Eine Einigung mit China ist nicht in Sicht, und auch Europa droht neues Ungemach.

Jeder neue Tweet von US-Präsident Donald Trump zu den von ihm angezettelten Handelskriegen kann ein Börsenbeben auslösen. Die Konflikte bremsen das Wachstum der Weltwirtschaft, verändern Handelsströme und stören Lieferketten. Es geht um Hunderte Milliarden Euro. Bei Unternehmen und Regierungen geht daher weiter die Angst um. Die größten Volkswirtschaften - vor allem China, aber auch Europa - fürchten Trumps Unberechenbarkeit: Kommen neue Strafzölle, werden bestehende Importgebühren noch weiter erhöht oder verschont uns der US-Präsident dieses Mal?

»Handelskriege sind leicht zu gewinnen«, strotzte Trump zu Beginn des Konflikts mit China vor rund eineinhalb Jahren voller Zuversicht. Doch das zähe Ringen im Jahr 2019 - inklusive wütender Tweets und einer Spirale immer höherer Zölle - dürfte ihn eines Besseren belehrt haben: Trotz der Übermacht der US-Wirtschaft beugen sich längst nicht alle Staaten seinen Forderungen. China hat sich einem von Trump gewünschten umfassenden Handelsabkommen bislang - trotz hoher wirtschaftlicher Kosten - verweigert. Inzwischen will sich Trump daher, entgegen monatelanger anderslautender Beteuerungen, mit einem Teilabkommen zufrieden geben, ein Abkommen der »ersten Phase«.

Dieser von vielen Experten als Einknicken Trumps beschriebene Schritt lag wohl auch daran, dass die Kosten des Handelskriegs zuletzt immer deutlicher zu spüren waren. US-Verbraucher müssen inzwischen mehr für importierte Waren bezahlen, Unternehmen fahren wegen der vom Handelskonflikt ausgelösten Unsicherheit ihre Investitionen zurück, das Wirtschaftswachstum verlangsamt sich. Das ist rund ein Jahr vor der Präsidentenwahl im November 2020, bei der Trump sich um eine zweite Amtszeit bewirbt, beileibe keine gute Ausgangslage. Der Aktienmarkt schnurrt noch, angefeuert auch von den Zinssenkungen der US-Notenbank, aber es mehren sich die wirtschaftlichen Warnzeichen.

Als Präsident kann Trump in Handelsfragen weitgehend ungestört schalten und walten, er braucht keine Zustimmung des Kongresses. Genau so liebt er es: Er kann in Sekundenschnelle über Twitter Weltpolitik machen. Bei seinen Tweets zu Handelsthemen ist es ein bisschen wie beim russischen Roulette - vorher weiß man nie, ob mit scharfer Munition geschossen wird.

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1. Russisches Roulette mit der Weltwirtschaft
2. Der chinesische Patient
3. Export extrem
4. Nach China kommt Europa

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dpa