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Holger Engelland, Leiter des Datenrettungslabors von Kroll Ontrack in Böblingen, im CRN-Interview

»Mit einem Disaster Recovery-Plan könnten viele Datenverluste vermieden werden«

18. Mai 2015, 09:32 Uhr   |  Daniel Dubsky

»Mit einem Disaster Recovery-Plan könnten viele Datenverluste vermieden werden«
© Kroll Ontrack

Holger Engelland, Leiter des Datenrettungslabors von Kroll Ontrack

Holger Engelland von Kroll Ontrack erklärt, warum menschliche Fehler immer häufiger zu Datenverlusten führen und warum neue Technologien wie Virtualisierung eine Wiederherstellung deutlich erschweren.

CRN: In Unternehmen kommen die unterschiedlichsten Speichermedien zum Einsatz: Tape, verschiedenste Festplattentypen und neuerdings verstärkt SSDs beziehungsweise Flash. Wie unterscheiden sich diese hinsichtlich ihrer Haltbarkeit und Lebensdauer?

Holger Engelland: Generell kann man sagen, dass das Magnetband, also Tape, mit bis zu 50 Jahren die höchste Lebensdauer von allen Speichermedien hat. Wenn man also Firmendaten auf Tape archiviert und die Bänder anständig lagert, kann man diese problemlos in dreißig Jahren wieder auslesen – diese Fälle haben wir schon mehrmals gehabt. Problematisch ist hier nicht der Speicher, sondern die Hardware sowie die verwendete Backup-Software und Bandformate. Die sind nach so langer Zeit oft nicht mehr vorhanden. Die Festplatte ist – mit einer Lebensdauer von circa zehn Jahren – der immer noch am meisten genutzte Speicher. Allerdings gilt diese Lebensdauer nicht im Dauerbetrieb – hier kann es durchaus schon nach fünf Jahren oder früher zum Ausfall kommen. Am problematischsten hinsichtlich der Lebensdauer sind die reinen SSDs oder Flash-Speicher. Diese sind nur auf eine bestimmte Lebensdauer angelegt und bei jedem Schreib-/Lesevorgang nimmt die Anzahl der noch verfügbaren Einsätze ab. Irgendwann ist der Speicher dann einfach nicht mehr funktionsfähig. Deshalb sollten diese Speicher auch nicht unbedingt für die Archivierung genutzt werden, sondern für den schnellen Serverbetrieb.

CRN: Welche Probleme mit den Speichern sorgen am häufigsten für Defekte und Datenverluste?

Engelland: Man kann man nicht generell sagen, welche Ursache am häufigsten auftritt. So haben wir in der letzten Zeit öfter Fälle gehabt, bei denen der elektronische Controller eines Flashspeichers defekt war. So konnte nicht mehr auf den Datenspeicher zugegriffen werden. Meistens sind es aber normale Alterserscheinungen bei Festplatten, die zum Datenverlust führen oder menschliche Anwender- und Bedienungsfehler, wie falsche – eigene – Datenrettungsmaßnahmen, die wir dann wieder beseitigen müssen.

CRN: Welche Rolle spielen denn menschliche Fehler?

Engelland: Menschliches Versagen spielt leider eine immer größere Rolle! Zunehmend stellen wir fest, dass nicht mehr mechanische Ausfälle zu Datenverlusten und für Datenrettungsfälle sorgen, sondern Anwendungs- und Bedienungsfehler bei den immer komplexer werdenden Systemen. Dabei ist es so, dass der IT-Administrator heute viele Einflussmöglichkeiten hat, die, wenn falsch ausgeführt, im schlimmsten Fall das ganze System zum Absturz bringen können. Außerdem ist es eben nicht so, wie die Hersteller den Nutzern weismachen möchten, dass bei einem Ausfall einer Festplatte im RAID-System diese ohne Probleme ausgetauscht werden kann und die Daten ohne Probleme auf die neue Platte recovered werden können. Ist nur ein falsches Häkchen in der Bedieneroberfläche gesetzt, verschwinden Daten einfach im Nirvana.

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2. »Virtualisierung und andere Technologien erschweren eine Wiederherstellung«
3. »Unternehmen gehen bei der Entsorgung ihrer alten Platten leichtsinnig vor«

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