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Jugendschutz im Internet

Mehr Medienkompetenz statt Alterskennzeichnung

12. Februar 2020, 19:00 Uhr   |  Jörg Ratzsch, dpa

Mehr Medienkompetenz statt Alterskennzeichnung
© kebox - Fotolia

Die Spielebranche kritisiert die Pläne der Familienministerin für die verpflichtende Alterskennzeichnung auf Spiele- und Filmplattformen und fordert stattdessen, Kindern und Jugendlichen mehr Medienkompetenz zu vermitteln.

Der Verband der deutschen Games Branche (game) hat den Gesetzentwurf von Familienministerin Franziska Giffey (SPD) für mehr Jugend- und Kinderschutz im Netz kritisiert. Game-Geschäftsführer Felix Falk nannte ihn am Dienstag enttäuschend. »Der Jugendschutz in Deutschland steckt seit vielen Jahren in der prädigitalen Phase fest und muss dringend reformiert werden. Der aktuelle Entwurf ist kein Schritt nach vorn, sondern zwei zurück«, sagte er.

Die Spielebranche kritisiert unter anderem die Pläne zur Alterskennzeichnung. Giffey will das Jugendschutzgesetz so ändern, dass Spiele- und auch Filmplattformen mit mehr als einer Million Nutzern ihre Inhalte künftig mit einer »deutlichen« Alterskennzeichnung versehen müssen. Dabei soll nicht nur der Inhalt der Clips oder Spiele berücksichtigt werden - also zum Beispiel, ob Gewalt darin vorkommt - sondern auch, ob bestimmte sogenannte Interaktionsrisiken bestehen und ob die »Medien eine exzessive Nutzungsweise fördern«, wie es in der Begründung zum Gesetzentwurf heißt. Gemeint sind etwa uneingeschränkte Chats in Spielen, über die Fremde Kontakt zu Kindern aufnehmen könnten, In-Game-Käufe oder sogenannte »Lootboxen« - virtuelle Kisten mit Belohnungen oder Gegenständen, wie Waffen oder Fähigkeiten, die vom Spieler zum Teil nur gegen Bezahlung geöffnet werden können.

Die gelernten Alterskennzeichen würden so überladen und drohten an Aussagekraft für Eltern zu verlieren, kritisierte game. Der Verband forderte außerdem eine größere Vermittlung von Medienkompetenz. Nur dadurch »können Kinder und Jugendliche eine Mediensouveränität erlangen, die den besten Jugendschutz ermöglicht«.

Die Familienministerin hatte zuvor anlässlich des Safer Internet Days an diesem Dienstag zu den Zielen ihres Gesetzes erklärt: Es gehe dabei um Lösungen für sichere, altersgerechte Voreinstellungen, die Kinder und Jugendliche systematisch vor Belästigung, Übergriffen, Datenklau oder finanzieller Abzocke schützten. »Die Konzerne müssen hier mehr Verantwortung übernehmen und Sicherheitsnetze einbauen – so wie es auch eine Pflicht für Sicherheitsgurte in jedem Auto gibt.«

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