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Expertengespräch

Im Zeichen der Datensouveränität

29. Januar 2020, 16:18 Uhr   |  Natalie Lauer | Kommentar(e)


Fortsetzung des Artikels von Teil 1 .

Daten bedeuten Innovation

Daten stellen nicht nur den Rohstoff der Digitalisierung dar, sie bilden auch die Basis jedweder Innovation. Letzteres war bereits vor der Digitalisierung der Fall, wurde durch diese jedoch noch verschärft – insbesondere im Zuge von Künstlicher Intelligenz (KI), Industrie 4.0 und dem Internet of Things (IoT). Wirtschaft und Innovation sind inzwischen zu einer Tautologie verschmolzen und neben rechtlichen Gründen sollte die Hoheit über die Daten vor allem auch deshalb nicht abgegeben werden. Marco Alexander Breit, Leiter der Stabstelle Künstliche Intelligenz im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) formuliert es so: »Wenn wir in Innovationsbelangen und in den Domänen, in denen wir stark sind, wettbewerbsfähig bleiben wollen, brauchen wir Datensouveränität.«

Allerdings verwertet die Industrie die ihr zur Verfügung stehenden Daten nur in geringem Maße. »Wenn ich mit Fachleuten rede, wird gerade mal ein Prozent von den Daten in irgendeiner Form verwertet und ausgenutzt. Das heißt die Industrie hat nach wie vor Verwertungsdefizite,« bemängelt Andreas Weiss, Geschäftsbereichsleiter Digitale Geschäftsmodelle bei eco – Verband der Internetwirtschaft e.V. und Direktor des EuroCloud Deutschland eco e.V. Und genau das muss sich ändern. »Wir betreiben zu wenig Innovation, obwohl wir eine gute Forschung haben. Aber das Zeug auf die Straße zu kriegen ist uns noch nicht gelungen«, erklärt Durz weiter. Er sieht im Cloud-Projekt »Gaia-X« das richtige Vehikel, um die nötigen Rahmenbedingungen für Innovationsförderung zu schaffen.

Ein offenes Ökosystem
Bei Gaia-X geht es nicht wie so häufig fälschlicherweise angenommen darum, einen europäischen Cloud-Anbieter aus dem Boden zu stampfen und sich vom internationalen Betrieb zu separieren. Ganz im Gegenteil, das Projekt steht auch außereuropäischen Anbietern offen. Es zielt darauf ab, existierende Angebote miteinander zu einem Ökosystem zu verbinden, das die dort verarbeiteten Daten gemäß europäischer Regelungen handhabt. Damit wird aus den kleinen Daten-Seen eine Art Datenseen-Platte. Sie schafft einerseits die Technik und andererseits die Skalierbarkeit, darauf wettbewerbsfähige Services anbieten zu können«, betont Breit. Dr. Marius Feldmann, COO Cloud&Heat Technologies und CEO von Secustack ist überzeugt davon, dass es sich lohnt, andere Ökosysteme in jenes von Gaia-X zu integrieren: »Es gibt auch um uns herum Ökosysteme, bei welchen es lohnenswert sei, sich mit ihnen zu verzahnen. Häufig stellt man bei solchen Ökosystemen fest, dass sie eben auch auf Offenheit setzen.« Martius bringt in diesem Zusammenhang das Internet als Analogie zu Gaia-X ins Spiel: »Beim Internet ging es darum, Netzwerkinseln zu verbinden, die nicht miteinander kommunizieren konnten.« Gaia-X verknüpft ebenfalls unterschiedliche »Inseln« zu einem Ökosystem.  

Nicht jeder kann mitmachen
Bevor sich Anbieter in das Vorhaben Gaia-X einbringen können, durchlaufen sie einen Onboarding Prozess innerhalb des sogenannten Workstreams zwei – dies gilt für europäische Unternehmen ebenso wie für solche, die beispielsweise aus den USA stammen. Dabei wird von Mitarbeitern des Bundeswirtschaftsministeriums geprüft, wo sich deren Angebot in der Architektur der Initiative einfügen lässt und welches Know-how sie wo einbringen können. Außerdem wird natürlich eruiert, ob sich die Ziele des jeweiligen Unternehmens in den Bereichen der Datensouveränität und Datenverfügbarkeit mit jenen von Gaia-X decken.

Internationale Anschlussfähigkeit
Um auch international agierenden Konzernen eine technologische Anschlussfähigkeit an die US-amerikanischen Cloud-Riesen garantieren zu können, sind auch sie in Teilen bei Gaia-X an Bord. »Wenn es gelingt, dass die US-amerikanischen Angebote im Vergleich zur jetzigen Markttransparenz sichtbarer werden, auch mit den Stärken, die sie haben, dann wird alleine hierdurch eine Wahlmöglichkeit geschaffen«, so Breit. Damit sei bereits ein Stück Souveränität gewonnen. Transparenz über die folgende Entscheidung werde laut Breit zusätzlich ermöglicht, wenn die Spielregeln der Produkte durch deren Zertifizierung und Selbstbeschreibung klar sind. »An der Stelle betrachten wir Souveränität nicht nach dem Motto „by Germans“, sondern wir verstehen Souveränität als die informierte Entscheidung eines Kunden, die wir erstmal ermöglichen müssen«, erklärt Breit hierzu. Auch Weiss betrachtet den Ansatz, dem Nutzer Wahlfreiheit in Verbindung mit Transparenz zu geben, als Mehrwert. Ihm ist klar, dass Nutzer hier und da experimentieren möchten und dann etwas »antesten«, das nicht hundertprozentig sicher und abgeschottet ist: »Die Leute werden trotzdem AWS und Azure oder ähnliche Angebote nutzen, weil sie innovativ sind, weil sie gut funktionieren, weil sie Leistungen bringen zu einem Preis, den man erwartet.«

Insbesondere aufgrund der Tatsache, dass Multi-Cloud-Strategien vor allem in großen Konzernen üblich sind, macht die Realisierung eines Ökosystems, das europäischen Werten sowie Standards unterliegt und sich gleichzeitig mit Ökosystemen an anderen Standorten verbinden lässt, durchaus Sinn.

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1. Im Zeichen der Datensouveränität
2. Daten bedeuten Innovation
3. Über deutsche Grenzen hinaus

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