Schwerpunkte

Cyberangriffe auf Krankenhäuser, Behörden, Fernsehsender, Gerichte

Für Tage lahmgelegt

04. Oktober 2019, 13:52 Uhr   |  Martin Fryba


Fortsetzung des Artikels von Teil 1 .

Wie bei einem Hurrikan

Man wundert sich über so manche Argumentation von Politikern.
So will das Bundesgesundheitsministerium nach dem Hacker-Angriff auf Kliniken des Deutschen Roten-Kreuzes kleineren Krankenhäusern in Rheinland-Pfalz nicht mehr Geld für die IT-Sicherheit geben. Eine entsprechende Forderung von Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) habe Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) in einem Brief abgelehnt. Spahns Argument: Das entsprechende Gesetz gelte nur für große Kliniken.

Die Cyberattacke hatte nach den Worten der Länder-Ministerin ein »bundesweit einzigartiges Ausmaß«. Ihr Ministerium in Mainz kündigte an, sich weiter für finanzielle Hilfe des Bundes einzusetzen. »Die IT-Sicherheit von Krankenhäusern und der Schutz von Patientendaten geht alle Krankenhäuser an«, betonte Bätzing-Lichtenthäler. »Insofern bin ich hier deutlich anderer Meinung als der Bundesgesundheitsminister, der dies offenbar nur für Krankenhäuser mit jährlich mehr als 30.000 Behandlungsfällen als notwendig betrachtet.

Wenn die Politik ratlos ist, setzt sie ein Expertengremium ein. So auch hier. Nun sollen Fachleute für IT-Sicherheit bis Ende des Jahres konkrete Empfehlungen für die Krankenhäuser vorlegen.

IT-Sicherheit und entsprechende Mittel an der Größe eines Krankenhauses festzumachen, das kann nur Politikern einfallen, die in Berlin sitzen und denen die Sicherheit der Versorgung in ländlichen Gebieten - mit Verweis auf Ländersache - herzlich egal ist.

Die dpa hatte vom Cyberangriff auf die DRK-Südwest in Neuwied berichtet. Elf Krankenhäuser in Rheinland-Pfalz und dem Saarland waren betroffen sowie vier Altenheime und drei medizinische Versorgungszentren.

Wer davon ausgeht, dass solche Expertengruppen doch schon längst IT-Sicherheits-Empfehlungen erarbeitet haben müssten, täuscht sich. Es täuschen sich auch diejenigen, die meinen, dass es täglich solche Cyberreporte lahmgelegter Firmen und Behörden geben müsste, um das Bewusstsein nicht nur für die Vorzüge, sondern auch für die Gefahren der Digitalisierung zu schaffen.

Es ist wie bei der Diskussion um den Klimawandel: Solange der Hurrikan am Krankenhaus vorbeizieht, wird nicht wirklich in den Katastrophenschutz investiert.

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