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Apple in der Kritik

Facepalm für Facetime

04. Februar 2019, 15:24 Uhr   |  Lars Bube

Facepalm für Facetime
© Jeanette Dietl - Fotolia

Weil sich über den neuen Gruppenchat in Facetime fremde Nutzer abhören ließen, hat Apple das Feature – etwas verzögert – deaktiviert. Während das Unternehmen noch an einem Patch bastelt, wurden bereits mehrere Sammelklagen eingereicht.

Ein peinlicher Programmierfehler könnte für Apple ein teures Nachspiel haben. Wegen des vergangene Woche bekannt gewordenen Bugs in der Videochatlösung Facetime haben in den USA und Kanada mehrere Anwälte Sammelklagen im Namen zahlreicher Apple-Nutzer eingereicht. Unter ihnen sind auch einige Geheimnisträger wie Anwälte, Richter, Ärzte und Regierungsangestellte, die nun befürchten, jemand könnte sie unbemerkt belauscht und dabei sensible Informationen ergattert haben. Gleichzeitig hat sich auch die Staatsanwaltschaft in New York der Sache angenommen und will prüfen, ob Apple mit seiner verzögerten Reaktion fahrlässig gehandelt hat.

In der Sache geht es um einen kritischen Bug in Facetime, der es ermöglichte, per doppeltem Facetime-Gruppenanruf das Mikrofon und teilweise auch die Kamera fremder Geräte zu aktivieren, ohne dass die Betroffenen das Gespräch annahmen. Dabei beschränkte sich das Problem nicht nur auf iPhones und iPads, sondern erlaubte auch unbemerkte Lauschangriffe auf Macs und MacBooks. Apple hatte die erst im Herbst nach einigen Problemen veröffentlichte Gruppenchat-Funktion deshalb vergangene Woche deaktiviert und will noch in dieser Woche ein Update für das Problem auf die Endgeräte ausrollen, das laut Unternehmensangeben auf den eigenen Servern bereits implementiert ist.

Neben der allgemeinen Kritik, wie ein so grober Schnitzer – gerade bei einem Unternehmen, das immer wieder betont, die Sicherheit seiner Nutzer habe oberste Priorität – unbemerkt durch eigene Testläufe kommen konnte, sorgt noch ein weiteres Detail für Ärger. Sicherheitsexperten gehen davon aus, dass die Lücke seit der Implementierung der Gruppenchats im Herbst bestand. Spätestens Mitte Januar hatt dann ein 14-jähriger Amerikaner mehrfach ergebnislos versucht, das Problem an Apple zu melden. Erst als er den Fehler daraufhin im Netz publik machte, reagierte das Unternehmen mit der vorläufigen Abschaltung.

Macrumors hat den Bug vor der Deaktivierung in einem Video dokumentiert:

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