Prognosesoftware vor dem Aus?: Kritik an »Kommissar Computer«

Kann eine Computersoftware Einbrüche vorhersagen? Während einige Länder bereits erfolgreich mit dem einen oder anderen Programm arbeiten, müssen Baden-Württembergs Polizisten sehr wahrscheinlich noch ein bisschen länger warten.

Einschreiten, bevor es der Einbrecher tut: mit Hilfe des Computers sollen Wohnungseinbrüche immer besser vorhergesagt werden können. Soweit der Plan. Und in dem einen oder anderen Bundesland wird auch bereits in verschiedenen Formen mit dem sogenannten Predictive Policing (vorausschauende Polizeiarbeit) experimentiert. Baden-Württembergs Polizei scheint dagegen wohl noch warten zu müssen, vielleicht sogar noch jahrelang. Zwar hat das Land laut Innenministerium noch nicht entschieden, ob es trotz zweier längerer Testphasen die Hände von einer ausgewählten Software lässt. Aber wirklich zufrieden sind die möglichen Auftraggeber auch nicht mit den vorliegenden Ergebnissen.

Die Hoffnung hatten Polizei und Politik auf die Oberhausener Prognose-Software »Precobs« gesetzt. Schließlich nutzt auch Bayern das System, in der Schweiz wird es getestet, in Sachsen nun laut Hersteller auch.

Doch nun bemüht sich das Innenministerium in einer Einschätzung um Distanz: Tatsächlich könne »Predictive Policing« vorhandene Bekämpfungsansätze wohl ergänzen, sagte ein Ministeriumssprecher am Montag in Stuttgart. Der Nutzen von »Precobs« - eine englische Abkürzung für Kriminalitäts-Vorhersagesystem (»pre crime observation system«) - liege aber nicht wie erhofft in der Prognoseleistung, sondern in der strukturierten Analyse und statistischen Datenaufbereitung. Laut Innenministerium ist noch nicht über Kauf oder Aus des Frühwarnsystems entschieden worden. Die »Stuttgarter Nachrichten« hatten zuerst darüber berichtet.

»Precobs«, entwickelt vom Institut für musterbasierte Prognosetechnik in Oberhausen, wird mit Daten gefüttert, die von vorangegangenen Einbrüchen stammen: der Tageszeit des Einbruchs zum Beispiel, der Art der Beute, dem Vorgehen der Täter oder dem Tatort. Denn professionelle Täter haben ihre Vorlieben: Sie wollen schnell drin und schnell wieder weg sein, sie wägen Risiken und Nutzen ab - und wenn ein Tatort gut erscheint, kommen sie oft innerhalb weniger Tage wieder. Nur diese Einbrüche können mit Hilfe von Precobs vorhergesagt werden. Beziehungs- oder Gelegenheitstaten sowie Beschaffungskriminalität von Drogensüchtigen fallen durch das Raster.

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