Verseuchter Laptop erzielt Rekordergebnis: Virenschleuder für 1,3 Millionen

Ein mit zahlreichen hochpotenten Viren wie »ILoveYou« und »Wannacry« verseuchtes Netbook wurde bei einer Onlineauktion für rund 1,35 Millionen Dollar versteigert.

Klein, aber oho: Dieses Netbook bringt sechs der gefährlichsten Computerschädlinge mit
(Foto: thepersistenceofchaos.com)

Malware als wertvolle Kunst: Mit seinem wahrhaft außergewöhnlichen ITK-Kunstwerk ist ein chinesischer Künstler zum Millionär geworden. Dazu hatte er das Windows XP auf einem zehn Jahre alten »NC10«-Netbook von Samsung mit den sechs bisher »erfolgreichsten« Viren des Computerzeitalters infiziert und es anschließend online versteigert. Am Ende bekam er für das mit »Persistance of Chaos« (Beständigkeit des Chaos) betitelte Gerät knapp 1,35 Millionen US-Dollar von einem unbekannten Bieter überwiesen. Viel anfangen kann der damit allerdings nicht. Denn der Erschaffer des teuflischen Netbooks hatte von Anfang an betont, dass das Gerät lediglich als Kunstwerk und ITK-historisches Anschauungsstück gedacht ist. Um sicherzustellen, dass mit der Malwareschleuder auch tatsächlich kein Unsinn angestellt wird, hat er das Gerät in Zusammenarbeit mit den Experten von Deep Instinct so abgeschottet, dass die Viren mehr oder minder darauf gefangen sind. Unter anderem wurden dem Gerät sämtliche Verbindungsmöglichkeiten wie LAN, WLAN und Bluetooth gekappt.

Die sechs Schädlinge auf dem Netbook sollen laut dem Künstler weltweit Schäden von rund 95 Milliarden Dollar verursacht haben:

  • »ILoveYou« gilt mit mehr als einer halben Million infizierten Rechnern als erster globaler Computerwurm. Der im Frühjahr 2000 aufgetauchte Schädling verbreitete sich per Mail und löschte auf den infizierten Rechnern großflächig alle Dateien bestimmter Typen wie »jpg« und richtete damit geschätzte Schäden in Höhe von 10 bis 15 Milliarden Dollar an.
  • Drei Jahre später verbreitete sich mit »SoBig« der nächste E-Mail-Wurm auf Hunderttausenden Systemen rund um die Welt. Die durch ihn angerichteten Verwüstungen sollen die Weltwirtschaft fast 40 Milliarden Dollar gekostet haben.
  • 2010 tauchte dann mit »BlackEnergy« erstmals ein neuartiger Schädling auf, der in den folgenden Jahren immer weiter entwickelt wurde. Unter anderem nutzten ihn im Dezember 2015 dazu, per DDoS-Angriff einen großflächigen Stromausfall in der Ukraine zu verursachen.
  • Auf nur etwa fünf Milliarden Dollar Schaden brachte es im Mai 2017 »WannaCry«. Die Ransomware nahm jedoch auch zahlreiche Rechner von Firmen und Einrichtungen wie dem Paketdienstleister FedEX, der Automobilkonzerne Renault und Nissan sowie des britischen Gesundheitsministeriums und der Deutschen Bahn in Geiselhaft und sorgte damit für weltweite Aufmerksamkeit und eine bis heute Anhaltende Welle ähnlicher Angriffe.
  • Schon seit mindestens fünf Jahren hatte der Trojaner »DarkTequila« vorwiegend in Südamerika Zugangsdaten von Bankkunden und kritische Daten aus Unternehmen gestohlen, als er im vergangenen Jahr entdeckt wurde. Bis heute liegt keine seriöse Einschätzung der dadurch entstandenen finanziellen Schäden vor.