Grundlagenforschung zu IT-Sicherheit und Datenschutz: Max-Planck-Gesellschaft gründet Security-Institut in Bochum

Die Max-Planck-Gesellschaft wird in Bochum ein Max-Planck-Institut für Cybersicherheit und Schutz der Privatsphäre gründen. Dort soll Grundlagenforschung zu Sicherheitsthemen betrieben werden, auch unter Berücksichtigung ökonomischer, juristischer und sozialer Aspekte.

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Bereits im November hatte der Senat der Max-Planck-Gesellschaft die Gründung eines neuen Max-Planck-Instituts für Cybersicherheit und Schutz der Privatsphäre beschlossen. Dieses kommt nun wie erhofft nach Bochum, nachdem die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz (GWK), in der die Wirtschafts- und Finanzminister von Bund und Ländern Programme zur Wissenschaftsförderung auf den Weg bringen, dem Standort zugestimmt hat. »Mit dem Horst-Görtz-Institut, den Universitäten Bochum und Dortmund, einer Vielzahl innovativer Unternehmen der IT-Branche und einer hochvitalen Startup-Szene hat sich die Region zu einem renommierten Hotspot für IT-Sicherheit entwickelt. Davon wird das geplante neue Institut mit seiner Forschung zu zentralen Zukunftsthemen profitieren«, erklärt Armin Laschet, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen.

An dem neuen Institut soll Grundlagenforschung zu IT-Sicherheit und Privacy betrieben werden. Ziel ist unter anderem die Entwicklung kryptografischer Verfahren für neue Anwendungsbereiche wie die Cloud, das Internet der Dinge oder Embedded Systems in Fahrzeugen und Haushaltsgeräten. Daneben sollen aber auch grundlegende Fragen zum Datenschutz in einer sich schnell wandelnden IT-Welt geklärt werden, etwa wie sich das Recht auf Vergessen garantieren lässt. Zudem soll untersucht werden, wie sich gesellschaftliche Teilhabe und Prozesse politischer Meinungsbildung verändern, wenn Algorithmen immer mehr Entscheidungen treffen. Man verfolge »einen interdisziplinären Ansatz, der auch die ökonomischen, juristischen und sozialen Aspekte der Entwicklungen in der Informationstechnologie berücksichtigt«, so Max-Planck-Präsident Martin Stratmann.

Da das Themengebiet sehr umfangreich ist, soll das neue Max-Planck-Institut im Endausbau sechs Abteilungen und zwölf Max-Planck-Forschungsgruppen umfassen. Auch ein neues Gebäude wird errichtet – bis dieses steht, kommen die Forscher in den Räumlichkeiten der Ruhr-Universität Bochum unter. Von dort kommt mit Christof Paar auch einer der beiden Gründungsdirektoren. Er untersucht derzeit an der Uni gemeinsam mit Kognitionspsychologen die Strategien von Angreifern und versucht Methoden zu entwickeln, mit denen sich der Aufwand, den Cyberkriminelle bei der Suche nach Schwachstellen betreiben müssen, abschätzen und in die Höhe treiben lässt. Darüber hinaus forscht er zu Abwehrtechniken gegen Trojaner, die Sicherheitsmängel in Hardware ausnutzen.

Der andere Gründungsdirektor ist Gilles Barthe. Er wechselt vom Institute for Advanced Studies in Software Development Technologies in Madrid an das neue Max-Planck-Institut. Der Mathematiker ist einer der führenden Forscher im Bereich formaler Methoden der Software- und Systemsicherheit sowie der Kryptografie und des Datenschutzes. Er hat wesentliche Beiträge zur »EasyCrypt«-Software geleistet und untersucht etwa Programme, die sensible Informationen verarbeiten und wie sich Informationsflüsse in diesen automatisiert analysieren lassen.