Domo Arigato, Mr Roboto: Für ein sicheres Neuland

Nur weil er keinen USB-Stick bedienen kann, lacht sich die ITK-Welt über den japanischen Cybersecurity-Minister schlapp. Dabei könnten wir alle viel von ihm lernen.

(Foto: Deutsche Messe AG)

Als Bundeskanzlerin Angela Merkel vor fünf Jahren vom Internet als »Neuland« sprach, erntete sie dafür nicht nur in IT-Fachkreisen reichlich Spott und Häme. Doch wer angesichts solcher Äußerungen allzu schnell über Politiker wie unseren genauso ahnungs- wie zahnlosen Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur lacht, dem sei vorher dringend der Blick nach Japan empfohlen. Das Land der Roboter und Perfektion hat jetzt mit dem Unternehmer Yoshitaka Sakurada erstmals einen eigenen Minister für Cybersecurity eingesetzt. Und der nimmt es wirklich vorbildlich ernst mit der Sicherheit. So antwortete er einem Reporter auf die Frage, ob in den japanischen Atomkraftwerken die Nutzung von USB-Sticks erlaubt sei, dass ihm diese Technologie nicht bekannt sei. Auf die entsprechend erstaunte Nachfrage des Reporters gab er dann gar unumwunden zu, dass er grundsätzlich keine Computer benütze. Entsprechende Schreib- und sonstige Arbeiten lasse er stets von kompetenten Mitarbeitern erledigen.

Dahinter steckt natürlich eine ausgeklügelte Security-Strategie. Wer weder einen PC noch einen USB-Stick benutzt, der ist für Cybergangster nur sehr schwer anzugreifen. Sakurada plant deshalb, möglichst schnell alle PC-Arbeiter im Land durch Roboter zu ersetzen. Können diese doch wesentlich schneller tippen als ihre menschlichen Schöpfer und auch problemlos über 100 Monitore gleichzeitig im Blick behalten. Kaffee- und Raucherpausen entfallen sowieso. Auch in größten Unternehmen werden lästige Betriebsräte überflüssig und ein Großteil der zigtausend Mitarbeiter kann in ein einziges Großraumbüro mit der Fläche eines Flugzeughangars gesetzt werden.

Vor allem aber sind die Roboter deutlich sicherer und völlig immun gegenüber den größten Cybergefahren unserer Zeit. Während noch immer mehr als 70 Prozent der menschlichen Nutzer glauben, »123456« sei ein sicheres Passwort, erfindet und merkt sich ein Roboter spielend kryptische Zeichenfolgen in der Länge und Komplexität eines Dostojewski-Romans. Auch Phishing-Mails mit dem Versprechen auf günstige Potenzpillen oder Millionen-Erbschaften aus Uganda lassen die emsigen Blechgesellen völlig kalt.

Was auf den ersten Blick wirkt wie eine Peinlichkeit, zeigt bei genauerem Hinsehen also wahrlich geniales Potenzial. Insofern darf man hoffen, dass ähnliches für die deutsche Digitalstrategie gilt und beispielsweise der vermeintlich schleppende Ausbau des Breitbandinternets in Wahrheit nur eine äußerst effiziente Maßnahme gegen Botnetze und DDoS-Attacken ist.