Kopfnuss: Blaues Wunder

Rund 40 Millionen Euro haben die bayrischen Steuerzahlen für die neuen Uniformen ihrer Polizei berappt. Dafür bekommen sie aber auch einiges geboten, wie etwa Verkehrskontrollen mit nacktem Oberkörper oder Streifengänger mit entblößtem Hinterteil.

Die Freude mit den neuen Uniformen ist angesichts einiger Qualitätsmängel nicht ganz ungetrübt
(Foto: Bayerisches Staatsministerium des Inneren)

In einem mehrere Jahre andauernden Mammutprojekt hat sich die bayerische Polizei einen neuen Anstrich verpasst. Statt im angestaubten Grün und Beige aus den 70er Jahren erstrahlen von den Fahrzeugen bis hin zu den rund 27.500 Beamten jetzt endlich alle in der Öffentlichkeit und in den Amtsstuben in modisch modernem Blau. Alleine für die neuen Uniformen, die zuvor in einem umfassenden Praxistest aus elf möglichen Varianten ausgewählt wurden, hat die Regierung mehr als 40 Millionen Euro ausgegeben.

Leider jedoch hält die neue Dienstbekleidung nun in der Massenproduktion nicht, was die maßgeschneiderten Einzelstücke versprochen hatten. Gleichzeitig mit der Meldung zum Vollzug der Einführung wurde bekannt, dass es bereits jetzt über 300 Beschwerden von Polizisten über ihre neuen Uniformen gibt. Hosen und Hemden reißen schon bei minimaler Beanspruchung im Büro, Hundehaare fühlen sich vom neuen Stoff schier magisch angezogen und schon nach wenigen Wäschen bleicht die Farbe aus. Und auch die Logistik klappt nicht. Immer wieder beklagen sich Beamte über zu lange Versandzeiten aus dem Logistikzentrum in Niedersachsen und falsch gelieferte Größen.

Dabei hätte das Innenministerium hier doch von der fortschrittlichen ITK-Branche lernen und so die zahlreichen Fehler vermeiden können. Schon längst hat sich hier die Erkenntnis durchgesetzt, dass die Qualität in den Containern aus China durchaus einmal von den perfekten Vorab-Bemusterungen abweichen kann. Also bestellt man, getreu dem Sprichwort »wer billig kauft, kauft zweimal« eben einfach von vorneherein direkt die doppelte Menge zum halben Preis. Den Ausschuss kann man dann gewinnbringend nutzen, indem man ihn einfach auf Rundreise schickt und ins nächste Umsatzsteuerkarussell einspeist. Natürlich würde auch kein seriöser ITK-Anbieter mehr auf die Idee kommen, noch Ware selbst zu lagern, verpacken, verschicken und sich anschließend mit den nervigen Rückgaben herumzuschlagen – wozu gibt es schließlich Amazon.

Außerdem sind im Dienstgebrauch verschlissene Klamotten natürlich kein Bug, sondern ein Feature. Damit wird direkt die geforderte individuelle Kennzeichnungspflicht der Polizisten eingeführt. Wenn künftig auf einem Bodycam-Video zu erkennen ist, wie ein Beamter mit entblößter linker Pobacke einen auf frischer Tat ertappten Weißwurstfälscher allzu grob abführt, ist für die Dienststellenleiter – und nur diese – sofort und eindeutig zu erkennen, dass es sich hier um Hauptkommissar Mayr aus Kaufering handeln muss, der tags zuvor so unvorsichtig war, sich im Eifer des Gefechts bei einer Demo allzu ungestüm nach seinem heruntergefallenen Gummiknüppel zu bücken.