Gehaltslisten, Passwörter, Schmuddelfilme: Was alte Datenträger alles preisgeben...

Ein aktueller Test zeigt, welche Datenschätze sich noch auf gebraucht verkauften Speichermedien finden lassen: die Bandbreite reicht von privaten Urlaubsfotos und Sexfilmen bis hin zu allerlei hochsensiblen und -interessanten Unternehmensdaten.

Nicht nur Privatnutzer haben offenbar keine Ahnung davon, wie man Daten sicher löscht - auch Unternehmen hinterlassen immer wieder verräterische Spuren auf aussortierten Speichermedien
(Foto: Amy Walters - Fotolia)

Mit einem einfachen Test überprüft der Datenrettungsspezialist Attingo jedes Jahr, wie gut oder schlecht es um das Verantwortungsbewusstsein deutscher Nutzer für ihre Datenbestände – abseits der bekannten freiwilligen Selbstentblößung in sozialen Netzwerken – bestellt ist. Das Unternehmen kauft dazu auf den üblichen Handelsplattformen jeweils 100 gebrauchte Datenträger an und untersucht anschließend, was sich darauf noch alles finden lässt. Auch wenn dabei mit schöner Regelmäßigkeit erstaunliche Dinge aus dem Privat- und Berufsleben der Verkäufer zutage kommen, so war es in diesem Jahr doch besonders drastisch, wie viele und vor allem welche hochbrisanten Datenreste sich noch auf den gekauften Speichermedien befanden.

»Wir konnten es selbst kaum glauben, aber auf mehr als 73 Prozent der Festplatten, SSDs und SD-Cards waren noch – teils streng vertrauliche – Daten vorhanden«, berichtet Nicolas Ehrschwendner, Geschäftsführer der Attingo Datenrettung GmbH. Im Vergleich zum Vorjahr, in dem nur auf 28 Prozent der Datenträger noch Daten gefunden wurden, also ein drastischer Anstieg. Während sich also viele Deutsche allzu gerne über die Daten-Machenschaften der sozialen Netzwerke und Konzerne beschweren, werden sie selbst immer unvorsichtiger im Umgang mit ihren digitalen Kronjuwelen. In den meisten Fällen musste man nicht einmal Datenrettungsspezialist sein, um an die teilweise sehr brisanten Informationen zu kommen.

Der überwiegende Teil der Festplatten und Speicherkarten war von ihren Vorbesitzern entweder nur per einfachem Löschbefehl im Betriebssystem oder auch gar nicht gelöscht worden. Technisch gesehen findet dabei allerdings genauso wenig eine echte Löschung statt, wie beim Formatieren. »Genau das Gegenteil ist nämlich der Fall: Beim Löschen wird nur eine Markierung gesetzt, dass die betroffene Datei nicht mehr verfügbar ist. Der Inhalt ist meistens noch vollständig vorhanden«, klärt Ehrschwendner auf.

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Kommentare (1) Alle Kommentare

Antwort von M Diegmann , 07:41 Uhr

Nicht der Benutzer ist hier der Kasper - wieso sollte ihm der technische Ablauf des Löschens bekannt sein, er benutzt das System nur. Auch ein CIO hat nicht die Aufgabe, den Löschvorgang technisch zu durchblicken. Das OS suggeriert, dass etwas gelöscht ist, was schlicht nicht der Fall ist. Es mag Gründe geben, warum das seit den ersten Tagen von DOS unverändert so fortbesteht. Davon abgesehen sind 100 Festplatten eine unzureichende Menge, um aus dem steigenden Anteil mit Restdaten Rückschlüsse auf das Sicherheitsbewusstsein der Benutzer zu ziehen. Es wäre durchaus angemessen, wenn dieser Zustand eine GDPR Diskussion nach sich zieht - nur sollte die den Löschvorgang der Betriebssysteme behandeln.