Russische Hacker verdächtigt: Weitreichender Hackerangriff auf den Bund

Der Bund ist offenbar Opfer eines umfassenden Hackerangriffs geworden. Während noch unklar ist, wie lang und wieviele Daten abgegriffen wurden, steht die Regierung wegen ihrer Informationspolitik in der Kritik.

(Foto: Aliaksei - Fotolia)

Der Hackerangriff auf das Datennetzwerk des Bundes hat nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur mindestens bis Mittwoch angedauert. Deutsche Sicherheitsbehörden hätten die Angreifer dabei jedoch beobachtet, um Informationen über Ziele und Herkunft der Attacke zu erfahren, hieß es in Sicherheitskreisen.

Bei der Attacke sei kein breiter Datenstrom abgeflossen, hieß es weiter. Die Ermittler gehen von einem klassischen Spionageangriff aus, bei dem die Cyberspione der russischen Gruppe »APT28« recht gezielt versuchten, an Daten zu kommen. Hinter APT28 vermuten zahlreiche Computerfachleute auch russische Regierungsstellen.

Der CDU-Politiker Patrick Sensburg mahnte eine gründliche und sorgfältige Aufarbeitung des Hacker-Angriffs an. Ob hinter der Attacke tatsächlich das Hacker-Kollektiv APT28 stecke, müsse ermittelt werden, sagte das Mitglied des Parlamentarischen Gremiums zur Kontrolle der Geheimdienste (PKGr) im ZDF-Morgenmagazin. »Ob Daten abgeflossen sind, auch da muss man noch genau hinschauen.« Sensburg pochte auf eine sorgsame Untersuchung des Falls - diese Zeit müsse man der Bundesregierung gönnen.

Um 12.30 Uhr kommt das PKGr zu einer Sondersitzung zusammen, anschließend dürfte die Öffentlichkeit unterrichtet werden. Sensburg sagte: »Dass so etwas stattgefunden hat, ein Hacker-Angriff, das waberte gerüchteweise, aber wir hatten offiziell keine Unterrichtung der Bundesregierung.« Der Digitalausschuss des Bundestages kommt an diesem Nachmittag voraussichtlich ebenfalls zu einer Sondersitzung zusammen.

Der Angriff auf den Bundestag im Jahr 2015 geht nach Erkenntnissen von Ermittlern ebenfalls auf das Konto von APT28 zurück. Mit Blick auf die jetzige Attacke sagte Sensburg: »Den Unterschied sehe ich darin, dass noch zielgerichteter, man nennt das sogenannte "Target Attacks", auf bestimmte Dokumente gegangen worden ist.« Die Angreifer hätten nun anscheinend noch sensiblere Daten im Fokus gehabt.

Die Linken-Netzexpertin Anke Domscheit-Berg kritisierte, sie habe von der Attacke aus der Presse erfahren. Dies sei eigentlich schon der erste Skandal, sagte die Obfrau der Linken-Fraktion im Ausschuss Digitale Agenda des Bundestages im ZDF-»Morgenmagazin«. Dass man dies selbst als fachlich zuständige Abgeordnete aus der Presse lesen müsse, »ist schon wirklich skandalös«. Angesprochen auf eine mögliche Urheberschaft einer russischen Gruppe sagte Domscheit-Berg: »Es gibt Indizien, die darauf hinzeigen, aber wir wissen es wirklich nicht.«

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