CRN Kopfnuss: Krank am Zauberberg

In Davos haben sich die Eliten aus Wirtschaft und Politik schon immer gerne versichert, wie übel doch diese Welt ist, die sie erschufen.

what the hell is this zaubörbörg?

Vor 100 Jahren waren Industrielle, Intellektuelle, Hoch- und Niederadel und sonstige Reaktionäre noch in Lungensanatorien in Davos interniert und eine noch nicht ganz entmachtete metaphysische Instanz konnte wenigstens ein bisschen eingreifen: So mancher Schwindsüchtige reiste recht kommod mit der neuen Eisenbahn zum Zauberberg und verließ ihn auf einem prunkvoll rollenden Katafalk. Davos war schon immer und ist es heute erst recht: Ein guter Treffpunkt, um einmal jährlich auf höchstem Niveau über das Ende der Zivilisation zu fachsimpeln.

In zwangloser Atmosphäre plaudert US-Präsident Donald Trump über dies und das, SAP-Chef Bill McDermott nickt freundlich zur rechten zu, Siemens-CEO Josef Käser lobt von links das Trumpsche Steuermodell, das Gelder von unten nach oben fließen lässt. So einfach klappen Deals auch in der Politik: Per Dekret ein energiekinetisches Wunderwerk in Kraft setzen, schon demontiert der Josef aus Niederbayern ein Stück deutsche Industriegeschichte, um sie in North Carolina wieder aufzubauen. Von den höchstens 300 Jobs in Berlin wird die Welt schon nicht untergehen, beschwichtigt Siemens.

Für den Untergang des Abendlandes sind Typen wie Josef eh nicht verantwortlich. Dafür sorgen eher schon Mafia-Magnaten wie Trump, der Schurken-Staat Nordkorea, Digital-Monopole wie Facebook und Google und ein bisschen die Reaktionäre der von der AfD in die Enge getriebenen bayerischen Staatspartei, schimpft der Milliardär George Soros. Die Höhenluft auf dem Weltwirtschaftsforum hat wenigstens diesem hellsichtigen Kapitalismuskritiker den klaren Verstand noch nicht geraubt.

Soros, der einzig klarsichtige Visionär unter dem kranken Zauberberg? Nicht ganz. Wie man hört steht nicht nur der Welt das Wasser bis zum Hals, sondern auch Elon Musk. Der Tesla-Gründer könnte Soros und am Ende der gesamten Menschheit keinen größeren Dienst erweisen, wenn der Weltraumfahrer nicht nur seinen kirschfarbenen Tesla-Roadster mitnimmt, sondern all die Donalds und Josefs mit auf seinen Flug zum Mars mitnimmt.