Hacker, Bots und Fake News: Ist die Bundestagswahl manipulierbar?

Bundestags-Hack, Hillary-Mails und Macron-Leak: Mehrere Cyberattacken haben gezeigt, wie angreifbar politische Systeme sind. Wie ist der Stand hierzulande ein Monat vor der Bundestagswahl?

Social Media im Fokus

Das BSI bereitet sich seit August 2016 intensiv auf die Wahl vor. Zum einen wurden die Netze der Bundesverwaltung zusätzlich gesichert. Zum anderen berät und sensibilisiert die Bonner Behörde die Parteien. »Wir haben Penetrationstests durchgeführt, also Angriffe gegen die Parteien in deren Auftrag, um zu schauen, wo Schwachstellen sind«, sagt Schönbohm. Diese Stellen zu schließen, sei jedoch Aufgabe der Parteien. Für manche Sicherheitsexperten gelten Parteien als besonders anfällig für Angriffe.

Darüber hinaus tauscht sich das BSI mit Netzwerken wie Facebook und Twitter aus. Laut Schönbohm sind die Accounts zahlreicher Kandidaten inzwischen besonders geschützt. Und Facebook selbst gab gerade bekannt, dass im Vorfeld der Wahl Zehntausende Konten gelöscht wurden, die im Verdacht stehen, Falschinformationen oder irreführende Inhalte zu verbreiten. Das Mediennetzwerk First Draft, der US-Konzern Google und der Rechercheverbund Correctiv planen, im September in Berlin einen Pop-Up-Newsroom zu installieren, in dem es um das Thema Factchecking gehen soll.

Jede Menge Überreaktionen? Wohl kaum. Wie angreifbar die Systeme sind, hat sich vor den Wahlen in den USA und Frankreich gezeigt. Mitten in der heißen Phase des Wahlkampfs um die US-Präsidentschaft tauchten im Netz interne E-Mails der Demokratischen Partei auf, die Kandidatin Hillary Clinton in ein schlechtes Licht rückten. Und das Team um den heutigen französischen Präsidenten Emmanuel Macron wurde quasi in allerletzter Minute mit geleakten Dokumenten - ergänzt um gefälschte Informationen - konfrontiert. In beiden Fällen deuten Spuren auf eine russische Hackergruppe hin, die nach Ansicht von Experten auch für den Hackerangriff auf den Bundestag vor zwei Jahren verantwortlich sein könnte.