CRN-Interview mit Gerlinde Wolf von CBL Datenrettung: »Oft übernehmen Mitarbeiter die IT-Betreuung nur als Zusatzaufgabe«

Im Gespräch mit CRN erklärt Gerlinde Wolf, Channel-Managerin bei CBL Datenrettung, dass der Markt für Datenrettungsdienste derzeit vor allem von der wachsenden Zahl mobiler Geräte angetrieben wird. Und dass fehlendes Wissen der Mitarbeiter oder der unsachgemäße Umgang mit RAID-Systemen zu den häufigsten Ursachen für Datenverluste zählen.

»Immer mit einem Abbild der Daten arbeiten, niemals auf dem Originaldatenträger«

CRN: Sie arbeiten mit Fachhändlern und Systemhäusern zusammen – können oder sollen diese bei Datenverlusten zunächst selbst aktiv werden, bevor sie CBL hinzuziehen?

Wolf: Am liebsten ist uns natürlich, wenn die betroffenen Datenträger sofort zu uns ins Labor kommen. Nur wenn der Händler oder IT-Berater absolut sicher ist, dass der Datenverlust rein logischer Natur ist – wie eine versehentliche Formatierung – kann er mit Datenrettungssoftware eine schnelle Hilfe versuchen. Manche unserer Partner übernehmen solche einfachen Fälle nach wie vor selbst. Sie sollten aber das Grundprinzip der professionellen Datenrettung beachten und mit einem forensischen Abbild der Rohdaten arbeiten und niemals auf dem Originaldatenträger.

CRN: Wie sieht das Geschäftsmodell für die Partner aus?

Wolf: Das CBL Datenrettung-Partnerprogramm hat verschiedene Ausprägungen. Marketing-Partner geben ihren Kunden die Info-Karten von CBL mit und erhalten im Falle eines Datenrettungsprojekts eine Provision. Agenten-Partner vermitteln alle Datenrettungsfälle ihrer Kunden ausschließlich an CBL und erhalten dafür ebenfalls eine Provision. Darüber hinaus gibt es Händler-Verträge, bei denen der Partner als Wiederverkäufer der CBL-Dienstleistungen auftritt und Kunden selbst betreut. Seine Marge ergibt sich aus seinem Rabatt bei der Rechnungsstellung durch CBL. Eine Sonderform des Händler-Vertrags ist der OEM-Vertrag. Hier kann der Partner die Arbeiten an CBL weitergeben, ohne dass CBL seinem Kunden gegenüber in Erscheinung tritt.

Eine besondere Ausprägung ist der CBL-Servicepartner-Vertrag. Hierbei dienen Händler oder IT-Häuser als offizielle Vertreter und Annahmestellen für eine Region und verzichten explizit auf eigene Diagnose- und Datenrettungstätigkeiten. Dieses Netzwerk rekrutiert sich aus langjährigen Partnern der anderen Kategorien, zuletzt kam die Firma Datec pro in Hamburg dazu.

CRN: Wie unterstützt CBL seine Partner?

Wolf: Wir organisieren die Datenträgerabholung, teilweise nutzen Partner auch unseren UPS-Account. Diagnose und Datenrettung werden mit erhöhter Priorität durchgeführt. Wir stellen Marketingmaterialien wie Flyer und Infobroschüren zur Verfügung. Bei den Vor-Ort-Servicepartnern beteiligen wir uns auf Wunsch auch an den Kosten für Roll-ups und Schilder.

CRN: Gerade professionelle Datenretter wissen, wie man wieder an Daten herankommt. Da sind Lösch-Services für Unternehmen, die genau das verhindern wollen, etwa weil sie alte Rechner ausrangieren, doch ein naheliegendes Geschäftsfeld. Bieten Sie solche Dienste?

Wolf: Ja, wir bieten Datenlöschung an – nicht nur durch unseren kostenlosen CBL Datenschredder zum Download, der übrigens trotz seines schlichten GUI ein sehr populäres Tool ist. Für Kunden, die die Löschungen nicht selbst übernehmen möchten, bieten wir dies auch gegen eine Kostenpauschale an. Eine dokumentierte Datenträgerentsorgung ist ebenfalls möglich. Wie die Computerforensik oder die Migration von Legacy-Daten ist Datenlöschung einer unserer kleineren Geschäftsbereiche, gehört für uns aber definitiv zum Portfolio.

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