CRN-Interview mit Jan Bindig von DataRecovery: »Oft sind Storage-Hersteller mit der Rekonstruktion ihrer eigenen Systeme überfordert«

Im Gespräch mit CRN erklärt Jan Bindig vom Leipziger Datenrettungsspezialisten DataRecovery, warum die Wiederherstellung von Daten beschädigter RAID-Systeme oder Software-definierte Speicherumgebungen eine Aufgabe für Spezialisten ist und wie der Channel von der Zusammenarbeit mit diesen profitiert.

»Wir sind offen für die meisten Ideen unserer Partner«

CRN: Ist professionelle Datenrettung auch etwas für Privatnutzer?

Bindig: Unsere Umfragen und Kundenanfragen zeigen, dass gerade im Privatbereich sehr viele Datenverluste eintreten. Am häufigsten sind Smartphones und externe Festplatten betroffen. Allerdings ist das Kosten-Nutzen Verhältnis meist für Privatkunden indiskutabel. Wir bewegen uns deshalb auch zielgerichteter im B2B Bereich, da die Erwartungshaltung des Kunden in Verbindung mit dem notwendigen Aufwand einer Datenrettung deutlich produktiver ist. Unser hoher Qualitätsanspruch, den wir unabhängig vom Marktsegment leben, wird im Geschäftskundenbereich konstruktiv reflektiert.

CRN: Sie arbeiten mit Fachhändlern und Systemhäusern zusammen – können oder sollen diese bei Datenverlusten zunächst selbst aktiv werden, bevor sie DataRecovery hinzuziehen?

Bindig: Wir raten generell dazu, Analysen zu bestehenden Datenproblemen durch uns ausführen zu lassen. Natürlich sind Fachhändler bestrebt, möglichst schnell und kostengünstig Lösungen bereitstellen zu können. Im Privatkundenvertrieb ist dieser Ansatz sogar teilweise zielführender als nicht finanzierbare Problemlösungen. Rein wirtschaftlich zahlt sich der Aufwand für ein normales IT-Systemhaus, selbst Datenwiederherstellungen durchzuführen, meist nicht aus. Die fehlende Routine und Laborumgebung mündet oft in endlosen und häufig erfolglosen Experimenten am Kunden.

CRN: Wie sieht das Geschäftsmodell für die Partner aus?

Bindig: Zunächst dient die Zusammenarbeit für den Partner der Erweiterung seines Portfolios. Ein Kunde, dem professionell aus einem Worst Case-Szenario geholfen werden kann, ist ein sehr dankbarer und in der Regel langfristiger Kunde mit potenziellen Folgeprojekten. Also auch hier spielt für uns die Qualität unserer Leistung, aber auch die der Zusammenarbeit eine wichtige Rolle. Zu dem langfristigen Nutzen kommt natürlich noch eine auftragsbezogene Provisionszahlung dazu.

CRN: Können die Partner die Datenrettungsdienste von DataRecovery ihren Kunden auch unter eigenem Namen und auf eigene Rechnung anbieten?

Bindig: Wir sind generell offen für die meisten Ideen und Vorstellungen unserer Partner. Dazu gehört auch die Vermarktung unseres Services als White Label-Produkt. Das hängt ganz von der Ausrichtung und Größe des Partners ab.

CRN: Wie unterstützt DataRecovery seine Partner?

Bindig: Unsere Kooperationen sind meist bidirektional. Das heißt, wir kommunizieren auf einer Höhe, unterstützen den Partner vor Ort durch fachliche und vertriebliche Schulungen, Marketingmaterial und durch eine aktive Kundenbetreuung. Unsere Partner profitieren auch von unseren Kunden, das heißt wir vermitteln aktiv regionale Kunden für Folgeprojekte im Storage- oder IT-Sicherheitsbereich. Jeder Partner wird persönlich betreut, wir haben dazu eine spezielle Rufnummer, damit Anfragen priorisiert bearbeitet werden können.

CRN: Gerade professionelle Datenretter wissen, wie man wieder an Daten herankommt. Da sind Lösch-Services für Unternehmen, die genau das verhindern wollen, etwa weil sie alte Rechner ausrangieren, doch ein naheliegendes Geschäftsfeld. Bieten Sie solche Dienste an oder gibt es Pläne, sie anzubieten?

Bindig: Wir erhalten in der Tat sehr viele Anfragen zur Datenvernichtung. Je nach Umfang und Anforderung des jeweiligen Projektes realisieren wir diese Aufgaben selbst oder arbeiten mit Kooperationspartnern zusammen. Unser Fokus liegt aber ganz klar auf der Rekonstruktion, nicht auf der Vernichtung von Daten.

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