Die Risiken im smarten Heim: Wenn Fernseher und Kühlschrank spionieren

Immer mehr Deutsche interessieren sich für ein smartes Zuhause. Fehlende Standards und Wildwuchs könnten allerdings die Sicherheit im Smart Home gefährden, sagen Experten.

Spionieren unsere Haushaltsgeräte schon bald unsere Gewohnheiten aus? (Foto: apops - Fotolia.com)

Das smarte Zuhause kommt in Fahrt: Laut einer konservativ angesetzten Schätzung der Fokusgruppe Connected Home des Nationalen IT-Gipfels wird die Anzahl der Smart Home Haushalte bis zum Jahr 2020 die Millionengrenze überschreiten. Eine positive Entwicklung prognostiziert auch eine Studie der VDI/VDE Innovation + Technik GmbH, die dem deutschen Smart-Home Markt bis 2025 einen kumulierten Umsatz von 19 Milliarden Euro attestiert. »Es mangelt absolut nicht an Innovationen und Entwicklungen«, sagt Oliver Dehning, Leiter der Kompetenzgruppe Sicherheit im eco – Verband der deutschen Internetwirtschaft. Doch genau dieser Wildwuchs sei auch ein Problem, denn es seien längst noch nicht ausreichend rechtliche Rahmenbedingungen definiert. Auch fehlten noch Hersteller-übergreifende Sicherheits- und damit auch Entwicklungsstandards. »Je mehr Anbieter unkontrolliert auf den Markt drängen, desto schwieriger wird es, einen ausreichend hohen Sicherheitslevel im Smart Home nachhaltig zu erreichen«, ist Dehning überzeugt.

So sehen laut dem Report IT-Sicherheit 2015 des eco Verbandes über 80 Prozent der befragten Experten der IT-Branche das größte Problem für den smarten Markt in dem fast schon unbekümmerten Umgang mit Daten. Dabei zeigen unzählige Beispiele die drohenden Gefahren für die Privatsphäre. Dazu gehört das Samsung Smart TV, das Gespräche im Wohnzimmer mitgehört und Informationen an Dritte weitergegeben haben soll. Zwar sollen, laut Berichten des Stern, bis Ende Mai nicht nur diese Sicherheitslücken durch ein Update behoben werden, sondern auch alle weiteren HbbTV-fähigen Samsung TV-Modelle ein Software-Update bekommen. Dennoch: Auf die Weitergabe der Daten an Dritte weist Samsung in den Lizenzvereinbarungen sogar hin. Welche weiteren Gefahren es geben kann, berichtet Kaspersky in seinem Blog »Wie ich das Haus hackte«. Schon bei fünf smarten Haushaltsgeräten entdeckte das Sicherheitsunternehmen über 14 Sicherheitslücken.

Um Datensicherheit im Chaos garantieren zu können, sprach sich der Nationale IT-Gipfel bereits im Jahr 2014 für Allianzen zur gemeinsame Entwicklung von Smart Home Standards und -Plattformen aus. »Erste Schritte sind hier schon gemacht, unter anderem durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, das mit der Förderung des VDE-Zertifizierungsprogramms »Smart Home + Building« die deutsche Wirtschaft entscheidend unterstützt«, erläutert Dehning. Der eco hat eine eigene Kompetenzgruppe zum Thema gegründet. »Konnektivität wird zu einer der großen Herausforderungen im Internet der Dinge. Neben der Etablierung von vertikalen Standards und Protokollen ist auch die Entwicklung von entsprechenden Frameworks und Libraries essentiell«,sagt Arzu Uyan, die zukünftige Leiterin der neuen eco Kompetenzgruppe Smart Environment. Das sei einerseits wichtig, um sicherere sowie zuverlässigere Anwendungen zu entwerfen und andererseits, um die Pflege sowie die Skalierbarkeit der Systeme zu vereinfachen.