Der Feind in Deinem Fernseher: Samsung warnt vor lauschenden Smart-TVs

Die Warnung keine sensiblen oder privaten Gespräche vor einem Smart-TV von Samsung abzuhalten, sorgt für große Aufregung bei Verbrauchern und Datenschützern. Dabei lauschen die Geräte anderer Hersteller nicht weniger.

Manch ein Smart-TV weiß mehr über seinen Besitzer, als diesem lieb sein dürfte (Foto: Samsung)
(Foto: Samsung)

Weltweit erzürnen sich seit einigen Tagen Verbraucher und Datenschützer über eine Warnung in den Nutzungsbedingungen für ein aktuelles Smart-TV-Modell von Samsung. Darin werden die Nutzer vom Hersteller mit folgender Formulierung davor gewarnt, sich besser genau zu überlegen welche Geheimnisse und intimen Details sie vor ihrem Fernsehgerät besprechen: »Bitte seien Sie sich bewusst, dass Gespräche inklusive der darin enthaltenen sensiblen oder privaten Informationen aufgenommen und an Dritte weitergegeben werden können«. Mit anderen Worten: wer mit seinem Partner vor dem Fernseher über sexuelle Vorlieben oder gesundheitliche Probleme spricht, kann sich darauf gefasst machen, dass Samsung und auch andere Firmen diese Informationen erhalten und beispielsweise für personalisierte Werbung oder andere Zwecke nutzen könnten.

Interessanter Weise ist die Ursache der meisten Beschwerden der Umstand, dass Samsung seine sprachgesteuerten Fernseher überhaupt bei allen Gesprächen mitlauschen lässt. Dabei ist diese Praxis alles andere als neu. Auch andere Hersteller, nicht nur von Smart-TVs, nutzen die Live-Daten ihrer Geräte und Programme täglich, um die entsprechenden Services zu verbessern und personalisieren. Insbesondere sprachgesteuerte Dienste wie die Übersetzungsprogramme von Microsofts Skype und Google Translate, oder auch sprachgesteuerte Assistenten wie Apples Siri, Microsofts Cortana und Amazons Echo lauschen in ähnlicher Weise. Während andere Hersteller entsprechende Warn-Hinweise bisher jedoch häufig noch unterlassen, war Samsung wenigstens so ehrlich, die Benutzer direkt auf das Problem aufmerksam zu machen. Zudem verspricht der Hersteller, dass man die Sprachsteuerung und damit auch die Lausch-Funktion auch deaktivieren kann. Dennoch bleibt natürlich auch hier dir große Frage, an welche Drittanbieter Samsung die aufgezeichneten Gesprächsdaten alles potenziell weitergibt. Handelt es sich dabei »nur« um Softwareanbieter, oder können sich beispielsweise auch Krankenkassen und Geheimdienste Zugang zu den höchst privaten Informationen verschaffen? Hier bleibt Samsung eine Erklärung schuldig.

Es ist nicht das erste Mal, dass Samsung Smart-TVs für einen solchen Wirbel um den Datenschutz sorgen. Vor einigen Monaten hatten US-Medien behauptet, dass einige Smart-TVs der Südkoreaner mit Webcams über eine Gesichtserkennung verfügen und diese Daten weitergeben würden. Damals hatten sich die Vorwürfe jedoch nicht bestätigt. Hingegen stellen Sicherheitsexperten immer wieder fest, dass sich durch die zahlreichen unterschiedlichen Geräte und Standards im Smart Home große Risiken ergeben, die Angreiferen und Lauschern ihr Wirken enorm einfach machen (siehe: So gefährlich ist das vernetzte Heim).