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Ein Mandat mehr für Ex-Vizekanzler

»Anschlussverwendung« für Philipp Rösler

01. Juli 2020, 11:41 Uhr   |  Martin Fryba | Kommentar(e)

»Anschlussverwendung« für Philipp Rösler
© Brainloop

Vertrauensbildende Maßnahme und breites Netzwerk: Philipp Rösler ist neuer Aufsichtsrat bei Brainloop

Zu seinen vielen Jobs addiert Philipp Rösler eine neue Aufgabe hinzu: Er steigt in die Softwarebranche ein und wird Kontrolleur bei Brainloop. Eine auch vertrauensbildende Maßnahme.

Ein unglückliches Wort reicht, das bei einem Prominenten biografisch kleben bleibt. Dabei hatte »Anschlussverwendung«, die der damalige FDP-Bundesvorsitzende Philipp Rösler für die von der Insolvenz betroffenen Schlecker-Angestellten (überwiegend Frauen)  forderte, nur knapp die Kür zum Unwort des Jahres  2012 verpasst. Man kann dem damals 39-jährigen Bundeswirtschaftsminister und Vize-Kanzler wegen seiner ungeschickten Wortwahl eigentlich nicht böse sein. Rösler, studierter Mediziner, hatte schließlich als Sanitäter bei der Bundeswehr gedient und auch als Politiker prägte ihn schließlich die deutsche Amtssprache.


»Anschlussverwendung« in eigener Sache hat der heute 47-Jährige seit seinem Ausscheiden als Politiker mehr als genug gefunden: Geschäftsführer und Vorstandsmitglied des Weltwirtschaftsforums, ein zwischenzeitlich »rätselhafter Job« (Süddeutsche Zeitung) beim chinesischen Konzern HNA, zahlreiche Aufsichts- und  Beiratsmandate beispielsweise bei Arabesque S-Ray, Bertelsmann Stiftung, Jacobs University Bremen, Siemens Healthineers oder Fortum Corporation.


Nun kommt ist ein weiteres Mandat hinzu. Zum 1. Juli tritt Rösler in den Aufsichtsrat der Brainloop AG ein. »Einzigartiger Hintergrund, signifikante Erfahrung in den Bereichen Technologie und Datenschutz«, zeigt sich Chefkontrolleur Michael Stanton begeistert. Nicht weniger sein CEO Ulf Gartzke: »Ich freue mich sehr auf die Begleitung wichtiger strategischer Initiativen seitens Dr. Rösler«.


Mit den Kommunikationslösungen von Brainloop, Softwarehersteller für digitalen Austausch vertraulicher und somit sensibler Dokumente, arbeiten zwei Drittel aller DAX-Unternehmen. Man will nun expandieren und das Produktportfolio erheblich ausbauen, sagt Gartzke. Rösler mit seinen vielen Kontakten in Wirtschaft und Behörden scheint dabei ein überaus vielversprechender Netzwerker zu sein, der das Marketing seines neuen Mandanten bereits drauf hat.


»Digitale Unternehmensführung und moderne Gremienkommunikation sind ein Muss für alle Unternehmen, die der Zeit voraus sein wollen«, so Rösler zum Amtsantritt. Brainloop sei ein »führender Anbieter für die Key Player in der DACH-Region«. Die Corona-Pandemie habe gezeigt: Keine Branche und kein Unternehmen könne es sich leisten, das digitale Zeitalter zu verpassen. »Ich möchte sicherstellen, dass auch der deutsche Mittelstand von den digitalen und hochsicheren Brainloop-Lösungen profitiert«.

Sorge um sichere Online-Datentresore
Der Einstieg des Ex-Politikers bei Brainloop hat aber nicht nur eine vertriebliche Komponente. Rösler hält man in München offenbar auch für geeignet, die verschreckte Klientel zu beruhigen. Vor zwei Jahren hatte der US-amerikanische Wettbewerber Diligent Corporation den Münchner Softwarehersteller übernommen. Als Anbieter von  Board-Portal-Lösungen konnte Brainloop bis dato mit »Made in Germany« punkten, wenn sich Kunden um Datenschutz und Vertraulichkeit sorgten. Mit dem Einstieg von Diligent kam Zweifel auf, ob die Online-Datentresore der Brainloop noch so hochsicher sein würden, wenn das US-Unternehmen das Sagen haben wird.


Rösler wird in seinem Job auch für Vertrauensbildung in diese Richtung sorgen. Eine wie auch immer mögliche technologische »Anschlussverwendung« der Kunden-Cloud-Konten durch neugierige Dritte wäre schließlich ein Desaster für die ehrgeizigen Wachstumspläne von Brainloop.

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