Wieder Wechsel an der Spitze: d.velop kommt nicht zur Ruhe
Nach nicht einmal einem Jahr trennt sich der Softwareanbieter von Vorstandssprecher Martin Greiwe. Der Grund: Der Aufsichtsrat mit Gründer und langjährigem Vorstandsvorsitzenden Christoph Pliete hat andere Pläne als Greiwe. Nico Bäumer übernimmt.
Der lange Schatten eines Gründers, der vom Chef-Posten in den Aufsichtsrat wechselt und weiter die strategische Marschrichtung bestimmen will, engt Vorstände ein, wird zur Belastungsprobe, führt zum handfesten Krach und schließlich zur Trennung vom CEO. Bei d.velop ist das erneut der Fall.
Seit Mitbegründer Christoph Pliete nach mehr als 30 Jahren im Vorstand von der Geschäftsführung in den Aufsichtsrat wechselte, gab es davor schon mehrere Nachfolgemodelle, die allesamt nicht langfristig trugen. Die Gründe waren und sind immer wieder identisch, so wie bei der heute verkündeten vorzeitigen Auflösung des Vertrags von Vorstandssprecher Martin Greiwe.
" Vor dem Hintergrund sich wandelnder technologischer und wirtschaftlicher Rahmenbedingungen, haben sich unterschiedliche Auffassungen hinsichtlich der zukünftigen Ausrichtung des Unternehmens ergeben", teilt das Softwareunternehmen mit.
Greiwe wechselte im Juli 2024 in den Vorstand, wurde ein Jahr später Sprecher des Vorstands mit Verantwortung für die Ressorts Vertrieb, Marketing und Partnermanagement. Vorstandskollege Nico Bäumer (CTO) und Stephan Held (CFO) bildeten seither ein Trio. Davor war der 55.-jährige Greiwe 20 Jahre bei Ratiodata, zuletzt als Chef des Systemhauses. 2024 hatte d.velop einen Umsatzrekord von fast 124 Mio. Euro gemeldet.
Nun führt Nico Bäumer d.velop, seit Mitte 2023 wieder beim Unternehmen. Er ist seit 1998 beim Softwareunternehmen tätig, mit einer fast 4.-jährigen Unterbrechung: Von 2017 bis 2021 arbeitete er als Solution-Architekt bei AWS. Sein Vorstandskollege, CFO Held, wechselte im Oktober 2021von Gigaset zu d.velop und ist für Finanzen verantwortlich.
Was sich nicht ändert, ist die Führungsspitze unterhalb des Vorstands: Die operative Verantwortung in den einzelnen BUs des branchenfokussierten Unternehmens würden auch weiterhin die jeweiligen COOs tragen. Sie setzen die von oben festgelegte "d.velop-Marktstrategie im direkten Kundenkontakt" um, wie es heißt.
Theorie der Abkühlungsphase laut Aktiengesetz und die Ausnahme
Was "von oben" bedeutet, legt das deutsche Aktiengesetz im § 76, wonach operative Richtlinienkompetenz und die Strategiehoheit beim Vorstand liegen. Soweit die Theorie. In der Praxis freilich sieht es anders aus, wenn die Gründer und Chefs in den Aufsichtsrat wechseln und zugleich als Aktionäre wesentliche Anteile am Unternehmen besitzen. Halten Vorstände mehr als 25 Prozent der Aktien, dann greift auch nicht die so genannte Cooling-off-Periode, wonach Vorstände, die ausscheiden, erst nach zwei Jahren in den Aufsichtsrat wechseln dürfen.
Das Top-Management beim Softwarehersteller aus Gescher muss demnach eine Richtung einschlagen, die vor allem d.velop-Gründer, Aufsichtsratsmitglied und Aktionär Christoph Pliete gutheißt. Martin Greiwe ist das nicht gelungen.
Immerhin findet Aufsichtsratsvorsitzender Helmut Bäumer Worte zum Abschied seines Vorstandssprechers. "Der Aufsichtsrat bedankt sich bei Martin Greiwe für die geleistete Arbeit und Erfolge in den vergangenen Jahren und wünscht ihm für seinen weiteren Weg, privat wie beruflich, alles Gute".
CRN-Newsletter beziehen und Archiv nutzen - kostenlos: Jetzt bei der CRN Community anmelden