Viel Cloud, aber wenig Sicherheit
Während über 90 Prozent der Unternehmen inzwischen Clouds für ihre Produktions-Workloads nutzen, hat weniger als die Hälfte nach eigener Einschätzung auch eine tragfähige Sicherheitsstrategie dafür. Die häufigste Ursache für kritische Vorfälle sind nach ihren Beobachtungen nicht etwa gestohlene Anmeldedaten, sondern Fehlkonfigurationen.
Auch wenn die Cloud inzwischen längst ein fester Teil des IT-Betriebs von Unternehmen geworden ist, schieben diese weiterhin einen beträchtlichen Nachholbedarf bei ihrer Absicherung. Das belegen die Antworten der mehr als 400 IT- und Sicherheitsexperten von Unternehmen in Asien, Europa, Nord- und Südamerika sowie dem Nahen Osten, die das SANS Institute für seinen "Cloud Security Survey 2026" befragt hat. 93 Prozent von ihnen geben an, dass ihr Unternehmen bereits produktive Workloads in der Cloud betreibt, bei etwas mehr als der Hälfte (51 Prozent) handelt es sich um Umgebungen im Unternehmens- oder Hyperscale-Maßstab. In den meisten Fällen sind hybride Multicloud-Umgebungen im Einsatz, 65 Prozent nutzen mehrere Anbieter.
Gleichzeitig bezeichnen nur 40 Prozent der Befragten die Cloud-Sicherheitsstrategie ihres Unternehmens als fortgeschritten oder optimiert. Und das, obwohl 73 Prozent ihrer Unternehmen sogar über ein eigenes Cloud-Sicherheitsteam oder eine entsprechende Rolle dafür verfügen. Diesen fehlt es jedoch offensichtlich am notwendigen Rückhalt aus anderen Abteilungen. Das zeigt sich unter anderem daran, dass 45 Prozent der Firmen zwar eine Sicherheitsstrategie für die Cloud definiert haben, diese aber nur teilweise auch umsetzen.
Fehlkonfigurationen, falsches Vertrauen und Identitäten-Wildwuchs
Was diese Schwachstellen und Nachlässigkeiten in der Praxis bedeuten, zeigt die Studie anhand detaillierterer Auswertungen zu den wichtigsten Schwachpunkten und Risiken. Während hier in der allgemeinen Wahrnehmung vor allem gestohlene Zugangsdaten im Fokus stehen, sehen die Sicherheitsverantwortlichen eine deutlich größere Gefahr in Fehlkonfigurationen, die 45 Prozent von ihnen als häufigste Ursache kritischer Cloud-Vorfälle identifizieren. Bei den Accounts sind es mit 22 Prozent indes nur etwa halb so viele.
"Fehlkonfigurationen sind keine exotische Angriffsart. Es handelt sich um eine bekannte Sicherheitslücke in einem Konto, das bereits in fremdem Besitz ist", warnt Serge Borso, leitender Ausbilder bei SANS und Mitautor der Studie. Warum solche Lücken zudem oft viel zu lange offen bleiben, liegt nach seinem Dafürhalten weniger am Angreifer. "Es ist die Zeitspanne zwischen dem Entdecken der Lücke und ihrer Behebung, die sich über zu viele Konsolen erstreckt, ohne dass jemand eindeutig für das Ergebnis verantwortlich ist", so Borso. Die Antworten der IT-Experten untermauern das. Fast die Hälfte der Unternehmen (49 Prozent) benötigt ihnen zufolge mehr als 24 Stunden, um eine bereits bekannte kritische Lücke zu schließen. "Deshalb sind Konsolidierung und Durchsetzung derzeit wichtiger als die Einführung eines weiteren Erkennungstools", konstatiert Borso.
Ähnliche Probleme und Diskrepanzen zwischen Wunsch und Wirklichkeit zeigen sich auch auf anderen Feldern der Absicherung, wie etwa bei der Einführung und Umsetzung Zero-Trust-Architekturen. Der Befragung zufolge haben zwar 69 Prozent der Unternehmen einen entsprechenden Netzwerkzugang eingeführt, allerdings nutzen ihn 45 Prozent hauptsächlich einmalig beim Zugang, statt die Benutzer, Agenten und Geräte restriktiv fortlaufend zu verifizieren. Darüber hinaus kommen klassische VPN-Netzwerke mit ihrem pauschalen Netzwerkzugang mit 65 Prozent beinahe noch immer ebenso häufig zum Einsatz wie ZTNA.
Im Kontext mit neuen Identitätsformen steigt das dadurch entstehende Risiko stark an. Dementsprechend nennt ein Drittel der Befragten hier den fehlenden Überblick über die Maschinenidentitäten als größte Herausforderung für ihr Unternehmen. Allzu oft geht dies mit übermäßigen Zugriffsrechten einher, die dementsprechend fast ebenso viele anführen (32 Prozent). 18 Prozent sehen Nachholbedarf bei der Rotation von Anmeldedaten, 17 Prozent nennen die Governance als Hürde.
Investitionspläne und Strategien: Großes Potenzial für Partner
Die gute Nachricht für Dienstleister und Systemhäuser ist, dass viele Unternehmen den eigenen Nachholbedarf durchaus auf dem Schirm haben. 70 Prozent investieren deshalb in diesem Jahr bereits mehr in ihre Cloud-Sicherheit als 2025. 28 Prozent der Befragten sprechen dabei von einer deutlichen Erhöhung, 42 Prozent von einem schrittweisen Wachstum. Unterdessen haben nur 7 Prozent der Unternehmen und Organisationen in denen die Befragten tätig sind, das entsprechende Budget gekürzt. Geld ist also durchaus vorhanden, die Frage ist nur, wohin es fließt.
Auch dazu liefert die Studie Einblicke. So wollen in den kommenden 18 Monaten 62 Prozent vor allem die ineffiziente Tool-Fragmentierung angehen und die Korrelation von Warnmeldungen über die gesamte Angriffsfläche verbessern. Es folgen ein vereinfachtes Lieferantenmanagement mit 55 Prozent, das Berechtigungsmanagement für Cloud-Infrastrukturen mit 51 Prozent und KI-gestützte Bedrohungssuche mit 44 Prozent. Die Investitionen konzentrieren sich damit einerseits auf die Tool-Stacks, über die die Teams bereits verfügen, sollen jedoch zugleich die Komplexität und Reibung minimieren.
Plattformen und autonome KI im Kommen
Im Endeffekt führt das die Kunden immer häufiger in Richtung konsolidierter Plattformen. 21 Prozent nutzen demnach bereits eine entsprechende CNAPP-Plattform, weitere 23 Prozent prüfen derzeit den Wechsel zu einer integrierten Plattform. Auf der anderen Seite setzen 31 Prozent weiterhin auf getrennte Lösungen für Cloud-Security-Bereiche wie Posture Management (CSPM), Workload Protection (CWPP) und Infrastructure Entitlement Management (CIEM). Insgesamt bietet sich damit bei rund 50 Prozent der Unternehmen Potenzial für entsprechende Vorstöße ihrer Dienstleister.
Einen guten Ansatzpunkt dafür liefern oft KI-Initiativen und die damit einhergehenden Sicherheitsanforderungen. Denn gerade im Bereich der Cloud-Sicherheit spielt die KI in den Unternehmen der Befragten bislang noch eine untergeordnete und zudem meist passive Rolle. So nutzen sie der SANS-Erhebung zufolge etwa 56 Prozent nur zur Zusammenfassung und Priorisierung, während sie lediglich 15 Prozent stärker operationalisiert haben. Magere vier Prozent überlassen ihr bereits vollständig autonome Aktionen. Bei einem Viertel der Befragten spielt sie unterdessen abseits einer möglichen Evaluierung noch gar keine Rolle.
Mehr zu den Geschäftschancen mit Cloud-Security, KI und Konsolidierung und wie sie sich nutzen lassen, erfahren Systemhäuser auf der CRN XChange am 3. November in Mannheim.
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