UCC-Markt driftet auseinander
Während die Nachfrage nach Videolösungen und Kameras in Europa im zweiten Quartal deutlich zulegte, gerieten klassische Arbeitsplatzgeräte wie Headsets, Displays und IP-Telefone unter Druck. Auch die einzelnen Märkte zeigten sich dabei sehr uneinheitlich. Die besten Absatzchancen bieten konkrete Einsatzszenarien rund um hybride Meetings.
Der europäische Markt für Unified Communications and Collaboration (UCC) wird zunehmend von einer auseinandergehenden Schere bestimmt. Nach den aktuellen Zahlen des Channel-Marktforschungsunternehmens Context wächst derzeit vor allem das Geschäft mit Video- und Kameratechnologien. Zugleich sackt jedoch die Nachfrage in etablierten Kategorien wie Collaboration-Headsets, Display-Systeme und IP-Telefone ab. "Wir sehen Druck auf reife Kategorien wie Headsets und IP-Telefone, während Video weiterhin Budgets anzieht – insbesondere dort, wo Produkte Besprechungsräume einfacher bereitstellbar und leichter nutzbar machen", fasst Rémi Gaudin, Business Data and Market Analyst bei Context, zusammen.
Im zweiten Quartal stiegen die über die Distribution verbuchten Umsätze mit Video-Lösungen für die Zusammenarbeit demnach europaweit um 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auf Seiten der Hardware sind besonders Kameras aller Art gefragt. An vorderster Stelle der Einkaufslisten der Unternehmen stehen dabei All-in-One-Videobars. Nachdem die damit erwirtschafteten Umsätze im April bereits um 127 Prozent nach oben geschossen waren, lagen sie im Juni mit 95 Prozent Zuwachs erneut deutlich über dem Vorjahr. Für Gaudin sind sie damit eine Art Paradebeispiel für die derzeit beobachtete Verschiebung.
Aber auch Premium-Kamera-Produkte mit Funktionalitäten wie 360-Grad-Abdeckung und PTZ (Pan, Tilt, Zoom) brachten im Juni 19 Prozent mehr Umsatz über die Distribution ein. Bei den etwas einfacheren Collaboration-Kameras legte der Umsatz um 7 Prozent zu, wobei der Zuwachs hier allerdings maßgeblich auf eine besonders starke Nachfrage in Polen zurückging. Noch eine Stufe darunter verzeichneten die Marktforscher unterdessen eine Trendwende. Hatten die Umsätze mit kompakten Kameras für UCC-Einsätze im Mai noch 17 Prozent unter dem Vorjahreswert gelegen, stiegen sie im Juni 5 Prozent darüber.
Indes entwickelten sich viele andere UCC-Bereiche genau in die gegenteilige Richtung, insbesondere bei einigen klassischen Produktsegmenten mit deutlich reiferer Marktsättigung, wie etwa bei Collaboration-Headsets, ging die Nachfrage deutlich zurück. So wurden europaweit im Channel sieben Prozent weniger mit Headsets umgesetzt. Bei IP-Telefonen ging der Umsatz den Analysten zufolge im Q2 um 3 Prozent zurück, bei Display-Systemen waren es 2 Prozent Minus. Lediglich der Bereich des sonstigen Konferenzzubehörs stand zum Quartalsende mit einem Plus von 1 Prozent leicht im positiven Bereich.
Lösungen für hybride Meetingräume gesucht
Wie Gaudin betont, gibt es damit es damit zwar weiterhin Wachstum, das der Channel für sich nutzen kann. Allerdings kann er dafür nicht mehr auf das gesamte UCC-Gebiet setzen, sondern muss die veränderten Kundenbedürfnisse deutlich gezielter ansprechen. "Die stärksten Möglichkeiten entstehen rund um bestimmte Technologien, Einsatzszenarien und Märkte", erläutert der Analyst. Damit werde es für Distributoren, Fachhändler und Systemhäuser "in der zweiten Jahreshälfte zunehmend wichtig sein, genau zu verstehen, wo Kunden weiterhin investitionsbereit sind".
Neben den Lösungs- und Gerätekategorien müssen sie dabei auch die regionalen Unterschiede im Auge behalten. Diese hatten sich bereits im ersten Quartal deutlich gezeigt, als der UCC-Gesamtmarkt in Osteuropa um 6 Prozent gewachsen war, während er in Westeuropa um 3 Prozent unter dem Vorjahreswert gelegen hatte. Auch diese Schere hat sich im zweiten Quartal weiter vergrößert, in dem die Analysten in Osteuropa ein Plus von 18 Prozent verzeichneten, während der Umsatz in Westeuropa stagnierte. "Das geografische Bild unterstreicht, wie fragmentiert der Markt geworden ist", konstatiert auch Gaudin. Diese Divergenzen setzen sich bis in die Betrachtung der einzelnen Länder fort. So konnte der Handel etwa in Polen und Großbritannien das Umsatzniveau von 2025 übertreffen, andere Länder wie Frankreich, Deutschland und Italien bewegten sich unterdessen näher am gesamteuropäischen Markttrend.
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