Wipro-CEO sieht robuste Nachfrage mit klaren Ansprüchen

Srini Pallia beobachtet, dass viele Unternehmen weiterhin solide in Bereiche wie KI, Cloud und Cybersecurity investieren, gerade in Europa. Allerdings verschieben sie dabei laut dem Wipro-CEO zunehmend ihren Fokus und die Erwartungshaltung. Als Beispiel nannte er den Großauftrag zur Modernisierung der Anwendungslandschaft eines europäischen Chemiekonzerns mit KI-basierten Funktionen.

Srini Pallia, CEO, Wipro (Foto: Wipro)

Bei der Telefonkonferenz zu den Ergebnissen des ersten Quartals des Geschäftsjahres 2027 erklärte Wipro-CEO Srini Pallia, dass die Technologieausgaben von Unternehmen in den Bereichen KI, Cloud, Cybersecurity, Daten und Modernisierung weiterhin robust seien. Allerdings gingen Kunden bei Investitionsentscheidungen disziplinierter vor, was zu längeren Abschlusszyklen und höheren Erwartungen an die operative Wirkung führe. "Die Disruption durch KI erweitert den Markt, sie verkleinert ihn nicht", folgerte Pallia. "Technologieinvestitionen haben sich nicht verlangsamt. Sie sind fokussierter geworden."

Unternehmen bewerteten KI-Initiativen zunehmend unter dem Gesichtspunkt der Nettoproduktivität, ergänzte er. Dadurch sei eine deutlich engere Verbindung zwischen Technologieinvestitionen und Geschäftsergebnissen erforderlich. "Unsere Kunden schauen über die reine Technologiemodernisierung hinaus", berichtete Pallia. "Der Fokus verlagert sich klar auf KI-gestützte Betriebsmodelle, die die Servicequalität verbessern, operative Komplexität reduzieren, die Resilienz stärken und nachhaltige Produktivitätsgewinne ermöglichen."

Um diesen Wandel der Nachfrage auf Unternehmensseite zu verdeutlichen, verwies Pallia auf zwei große Aufträge als typische Beispiele:

Ein führender globaler Anbieter im Bereich Tiergesundheit hat Wipro ausgewählt, um digitale Abläufe in seinem weltweiten Netzwerk aus Krankenhäusern und Kliniken mithilfe von Wipro Intelligence zu modernisieren und zu betreiben. Das Projekt kombiniert vorausschauende Problemvermeidung und KI-gestützte Serviceabläufe, um eine stärker autonome Technologieumgebung für klinische Teams, Mitarbeiter und kundennahe Prozesse zu schaffen.

Ein europäischer Chemiekonzern hat Wipro mit dem mehrjährigen Auftrag betraut, seinen IT-Betrieb zu modernisieren. Dazu will der Dienstleister mehrere Anbieter in einem einzigen, integrierten Betriebsmodell zusammenzufassen und die Möglichkeit schaffen, die Infrastruktur sowie die Anwendungsdienste durchgängig zu verwalten. Die Transformation der Anwendungslandschaft mithilfe KI-basierter Funktionen erfolgt dabei über WINGS, das Teil von Wipro Intelligence ist. Das Projekt umfasst KI-gestützte Anwendungsprozesse, Automatisierung und ein digitales Command Center, das Servicequalität verbessern, Produktivität steigern und Betriebskosten senken soll.

Pallia zufolge zeigen diese Projekte, wie Kunden KI in zentrale Betriebsmodelle einbetten, statt sie als isolierte Technologieschicht einzusetzen.

Wipro treibt KI-Strategie in die Umsetzung

Pallia gab außerdem ein Update zur KI-Strategie von Wipro, das im vergangenen Quartal seine AI Business and Platform Unit gestartet hatte. Das Unternehmen sei von der Strategie in die Umsetzung übergegangen, berichtete der CEO. Wipro baue KI-gestützte Branchenplattformen auf, entwickle KI-native Geschäftsmodelle und erweitere Partnerschaften im KI-Ökosystem, während zugleich die Führungsstruktur für die nächste Phase KI-getriebenen Wachstums gestärkt werde.

Im vergangenen Quartal schloss Wipro zudem die Übernahme von Mindsprint ab und begann mit der Integration des Geschäfts. Zugleich verfolgt das Unternehmen über seine Beziehung zur Olam Group neue Chancen im Lebensmittel- und Agrarsektor. Darüber hinaus baute das Unternehmen seine KI-Kompetenzen mit einem Applied AI Center of Excellence aus, das auf Cloud-Modellen von Anthropic basiert. Zudem erhielt Wipro über Capco, seine BFSI-Beratungssparte, Anerkennung beim OpenAI Partner Summit. Das britische AI Lab von Wipro gewann außerdem den OpenAI Codex Hackathon mit einer KI-gestützten Banklösung.

Pallia hob mehrere produktive KI-Einsätze hervor, die zeigen, dass die Einführung von KI in Unternehmen über Pilotprojekte hinausgeht:

Für einen Kunden aus dem Gesundheitswesen implementierte Wipro ein Multi-Agenten-KI-System, das die Bearbeitungszeit bei der Aufnahme von Leistungserbringern um bis zu 70 Prozent reduzierte und zugleich bis zu 90 Prozent des manuellen Aufwands automatisierte. Für einen globalen Industriehersteller gestaltet das Unternehmen Finanz- und Beschaffungsprozesse mithilfe seiner WINGS-Plattform neu. Dabei kombiniert Wipro agentische KI, intelligente Orchestrierung und Echtzeitanalysen, um ein hochautomatisiertes Betriebsmodell zu schaffen.

Zusammengenommen zeigten diese Projekte laut Pallia die Fähigkeit von Wipro, Unternehmen von der KI-Strategie und Beratung bis zur branchenspezifischen Umsetzung zu unterstützen.

Momentum bei Großaufträgen hält trotz selektiver Ausgaben an

Auch wenn die Kundenausgaben weiterhin maßvoll blieben, sehe Wipro laut Pallia über Branchen und Regionen hinweg eine gesunde Nachfrage. "Unsere Pipeline bleibt gesund", konstatierte er. "Wir konzentrieren uns weiter darauf, unsere beratungsgeführte, KI-gestützte Strategie umzusetzen, um Kunden dabei zu helfen, ihre Unternehmen rund um Intelligenz neu zu denken und neu zu gestalten."

Das Unternehmen meldete für das Quartal Gesamtbuchungen in Höhe von 3,37 Milliarden US-Dollar, darunter Großauftragsbuchungen von 1,63 Milliarden US-Dollar aus 13 Großaufträgen. Regional blieben die Americas sowohl sequenziell als auch im Jahresvergleich schwach. Wipro verzeichnete jedoch weiterhin Momentum in den Bereichen Technologie, Kommunikation und Konsumgüter. Im BFSI-Segment zeigte sich mit Blick auf das zweite Quartal eine verbesserte Dynamik.

Europa erzielte im Jahresvergleich Wachstum, getragen von BFSI, Technologie und Kommunikation. APMEA wuchs sowohl sequenziell als auch im Jahresvergleich, unterstützt durch Nachfrage aus dem BFSI- und Konsumgütersektor. Pallia zufolge sieht Wipro weiterhin eine gesunde Pipeline in Europa, insbesondere in Großbritannien und den nordischen Märkten.

Dieser Artikel erschien zuerst bei unserer Schwesterpublikation CRN India.

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