UCS-Knappheit: Ciscos Supermicro-Deal lässt Partner hoffen

Partner berichten, dass Cisco aufgrund der Speicherknappheit erhebliche Schwierigkeiten hat, die Nachfrage nach Servern für sein Unified Computing System (UCS) zu bedienen. Zwischen Bestellung und Lieferung liegt demnach oft mehr als ein halbes Jahr. Jetzt soll ein Deal mit Supermicro helfen, das Problem in den Griff zu bekommen.

(Foto: Cisco)

Cisco sichert sich über eine neue Partnerschaft mit Supermicro Zugang zu diversen flüssigkeits- und luftgekühlten Systemen des Serverherstellers. Diese sollen als Alternative zu den eigenen UCS-Servern (Unified Computing System) im KI-Infrastrukturportfolio angeboten werden, bei denen es laut den Berichten mehrerer Partner gegenüber CRN derzeit immer wieder zu heftigen Engpässen und Lieferverzögerungen kommt.

"Cisco kann keine UCS-Server liefern", konstatierte etwa der Top-Manager eines Cisco-Partners aus den Reihen der CRN Solution Provider 500, der nicht namentlich genannt werden wollte. Derzeit dauere es je nach Server oder Konfiguration sechs bis neun Monate, bis ein UCS-Server beim Kunden ankomme. Die Ursache dafür sieht er in der Speicherknappheit: "Cisco bekommt nicht genügend Speicherchips, um liefern zu können, während Supermicro noch über abrufbare Speicherressourcen verfügt." Daher ist der Vertriebsmanager überzeugt, dass Cisco den richtigen Schritt gegangen ist. "Das sollte den Druck verringern, mit dem wir bei der UCS-Verfügbarkeit zu kämpfen hatten." Allerdings sind aus seiner Sicht noch einige Fragen zu den Supermicro-Alternativen offen, etwa hinsichtlich ihrer technischen Fähigkeiten und den Vergütungsmodellen für die Partner im Vergleich zu den normalen UCS-Angeboten.

Supermicro lehnte eine Stellungnahme zu dem Deal mit Cisco ab. Die Supermicro-Aktie legte infolge der Ankündigung im Mittagshandel um 9 Prozent beziehungsweise 98 Cent auf 12,35 US-Dollar zu. Die Cisco-Aktie stieg unterdessen im Mittagshandel um 1 Prozent beziehungsweise 70 Cent auf 110,93 US-Dollar.

Cisco stellte bis Redaktionsschluss keinen Manager für eine Stellungnahme zur Verfügung. Ein Cisco-Sprecher teilte CRN jedoch mit, dass Cisco und Supermicro erstmals eine strategische Partnerschaftsvereinbarung unterzeichnet hätten und man beabsichtige, die Supermicro-Compute-Angebote ab Oktober 2026 als Erweiterung der Secure AI Factory mit Nvidia anzubieten, die Nvidia-Cloud-Partner-konforme Lösungen für Neo-Cloud- und Sovereign-Cloud-Kunden bietet.

Offene Fragen hinsichtlich Leistung und Vergütung

In einem von Cisco bereitgestellten Frage-und-Antwort-Dokument heißt es zudem unter der Überschrift "Wie adressiert diese Architektur Einschränkungen in der Infrastruktur-Lieferkette?": "Ciscos globale Lieferkettenkapazitäten für KI-Netzwerksysteme, kombiniert mit Supermicros Fertigungs- und globalen Lieferkettenkapazitäten für KI-Systeme auf Rack-Ebene und dichte GPU-Server, ermöglichen eine zeitnahe weltweite Bereitstellung der Infrastruktur. Diese Stärke reduziert Verfügbarkeitsrisiken in einer Zeit, in der die Nachfrage nach GPUs, Speicher, CPUs und SSDs Druck darauf ausübt, wie schnell KI-Systeme auf Rack-Ebene gebaut und ausgeliefert werden können."

Der CEO eines weiteren Cisco-Partners aus den CRN Solution Provider 500, der nicht namentlich genannt werden wollte, bestätigte, die Möglichkeit, Supermicro-Server bereitzustellen, sei ein großer Schub für Partner, die keine Cisco-UCS-Server erhalten können. "Natürlich ist alles, was Cisco tun kann, um zusätzliche Serverbestände bereitzustellen und damit in diesem Segment wettbewerbsfähiger zu sein, positiv", befand er. "Der große Gewinner ist hier Supermicro. Das verschafft ihnen einen weiteren Kanal für ihre Server. Letztlich verfügt Cisco nicht über ein vollständiges Portfolio an KI-Servern auf Rack-Ebene. Diese Partnerschaft schließt eine Lücke im Portfolio. Die Frage ist: Wann entscheide ich mich für UCS und wann für Supermicro?"

Weiter führte der CEO aus, Cisco UCS stehe unter starkem Wettbewerbsdruck, weil Cisco nicht über die Lieferkettenkapazitäten für Speicher größerer Wettbewerber wie Dell Technologies, HPE und Supermicro verfüge. "Der Cisco-UCS-Markt besteht aus Kunden, die bereits eine Cisco-UCS-Installationsbasis haben", erläuterte der Manager. "In allen anderen Szenarien schauen sie auf Dell, HPE, Supermicro und White-Label-Anbieter."

Der Deal fällt in eine Phase, in der Supermicros weltweiter Serverumsatz laut dem Marktforschungsunternehmen IDC und dessen Worldwide Quarterly Server Tracker im ersten Kalenderquartal 2026 um 129 Prozent auf 9,3 Milliarden US-Dollar gestiegen ist; der Marktanteil lag bei 7,6 Prozent. Cisco wiederum, das im jüngsten Quartal ein zweistelliges Wachstum seines Compute-Geschäfts meldete, taucht in den Top-Fünf-Rankings von IDCs Worldwide Quarterly Server Tracker für das erste Kalenderquartal 2026 nicht auf.

Cisco will KI-Chancen nicht verpassen

Ein weiterer CEO eines führenden Cisco-Partners an der US-Ostküste, der ebenfalls nicht namentlich genannt werden wollte, äußerte die Hoffnung, die Supermicro-Partnerschaft löse das Lieferkettenproblem bei Cisco UCS. "Cisco hat Lieferengpässe bei UCS", stellte er fest. "Man erkennt dort, dass man wegen dieser UCS-Lieferengpässe nicht in alle Rechenzentren kommen wird, in denen KI-Workloads laufen. Deshalb stellt Cisco sicher, dass das Unternehmen in jedem Rechenzentrum als Netzwerkschicht für KI-Konnektivität präsent bleibt. Cisco erkennt, dass UCS derzeit in einer ausweglosen Lage ist, und konzentriert sich deshalb auf die Netzwerkschicht."

Auf die Frage, welche "Lieferketten-, Return Material Authorization (RMA)- und Supportoptionen" für Partner verfügbar seien, erklärte Cisco in seinem Frage-und-Antwort-Dokument: "Für Cisco-Produkte bietet die weltweit anerkannte Lieferkette Vielfalt bei Fertigung, Lagerhaltung, Versand und Support. Kunden können aus einer Reihe von RMA-Optionen wählen, darunter Next-Business-Day und 24x7x4, ebenso wie Return-to-Factory-(RTF)-Service und Garantieleistungen. Supermicros Fertigungsumfang, Lieferkette und RMA-Optionen für seine Produkte geben Organisationen die Sicherheit, dass die benötigte Compute-Kapazität nach ihrem Zeitplan geliefert und unterstützt wird. Cisco übernimmt die L0- und L1-Ticket-Triage für eingehende Anfragen und leitet diese bei Bedarf an Supermicro weiter. Supermicro bietet Support für seine Produkte und stellt eine koordinierte Lösung über den gesamten Stack hinweg sicher."

Dieser Artikel erschien zuerst bei unserer Schwesterpublikation crn.com.

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