Snowflake: Zukauf und Milliarden-Deal mit AWS
Durch die Übernahme des MCP-Spezialisten Natoma will Snowflake sein Data-Governance-Angebot künftig über die eigene Plattform hinaus ausdehnen. Gleichzeitig schloss das Unternehmen einen erweiterten SCA-Vertrag mit AWS, der Zusagen für Infrastrukturinvestitionen in Höhe von 6 Milliarden US-Dollar beinhaltet.
Das KI- und Data-Cloud-Unternehmen Snowflake hat nach eigenen Angaben eine mehrjährige strategische Kooperationsvereinbarung (SCA) mit Amazon Web Services unterzeichnet. Beide Unternehmen erklärten, dass dies die Einführung agentischer KI in Unternehmen beschleunigen und Kunden helfen werde, KI-Systeme schneller und sicherer zu entwickeln und bereitzustellen. Snowflake erklärte, im Rahmen des SCA eine mehrjährige Infrastrukturverpflichtung in Höhe von 6 Milliarden US-Dollar gegenüber AWS einzugehen. Snowflake betreibt seine Daten- und KI-Dienste bereits auf AWS, bezeichnete dies jedoch als die bislang größte Zusage an AWS.
Darüber hinaus gab Snowflake bekannt, eine endgültige Vereinbarung zur Übernahme von Natoma unterzeichnet zu haben. Das Unternehmen entwickelt eine Model-Context-Protocol-(MCP)-Plattform für KI-Agenten in Unternehmen. Damit will Snowflake "seinen Governance-Bereich von Datenbeständen auf KI-Aktionen und -Interaktionen im gesamten Unternehmen ausdehnen".
Beide Ankündigungen erfolgten am Mittwoch zusammen mit der Veröffentlichung der Finanzergebnisse für das (am 30. April 2026 beendete) erste Quartal des Geschäftsjahres 2027 von Snowflake. Das Unternehmen meldete für das Quartal einen Umsatz von 1,39 Milliarden US-Dollar, ein Plus von mehr als 33 Prozent gegenüber 1,04 Milliarden US-Dollar im Vorjahreszeitraum. "KI bleibt ein starker Rückenwind für Snowflake", sagte CEO Sridhar Ramaswamy dabei in einer Stellungnahme zu den Geschäftszahlen. Mit Angeboten wie Snowflake Intelligence und Cortex Code erweitere Snowflake seine Rolle "von der vertrauenswürdigen Grundlage für Unternehmensdaten und -kontext hin zur Steuerungsebene für das agentische Unternehmen".
Snowflake, das im Quartal einen Produktumsatz von 1,33 Milliarden US-Dollar erzielte, erklärte zudem, nun 779 Kunden zu haben, die auf Berechnungsbasis der vergangenen zwölf Monate jeweils mehr als 1 Million US-Dollar pro Jahr ausgeben. Das Unternehmen erhöhte seine Prognose für den Produktumsatz im gesamten Geschäftsjahr von 5,66 Milliarden auf 5,84 Milliarden US-Dollar. Der Aktienkurs von Snowflake legte im nachbörslichen Handel infolge der Nachrichten deutlich zu. Während die Aktie am Mittwoch bei 175,26 US-Dollar schloss und damit 1,32 Prozent unter dem Schlusskurs vom Dienstag lag, stieg der Kurs bis 20:00 Uhr EDT um 67,54 US-Dollar (mehr als 38,5 Prozent) auf 242,80 US-Dollar.
Milliardenschweres SCA mit AWS
Snowflake erklärte, das neue SCA mit AWS umfasse "tiefere Produktintegrationen in den Bereichen generative KI und agentische KI, einen erweiterten Go-to-Market über den AWS Marketplace sowie gemeinsame Investitionen in Programme für Kundenerfolg, Workload-Migrationen und strategische Branchenlösungen, die Unternehmen beim Übergang von KI-Experimenten zu produktiven Ergebnissen im großen Maßstab unterstützen sollen". Ramaswamy sagte dazu in der Mitteilung, durch die Vereinbarung machten es Snowflake und AWS "für Unternehmen einfacher, KI direkt an regulierte Daten heranzubringen".
Im Rahmen der Partnerschaft wird Snowflake leistungsstarke Graviton-Prozessoren in AWS-Rechenzentren für Aufgaben wie das Training und die Inferenz von KI-Modellen nutzen. Zudem will Snowflake seine globale Präsenz in AWS-Rechenzentren ausbauen. Starts wurden bereits abgeschlossen oder laufen in zehn neuen Regionen, darunter Auckland in Neuseeland, Kapstadt in Südafrika, Bangkok in Thailand sowie die AWS European Sovereign Cloud.
Das SCA umfasst außerdem neue gemeinsame Initiativen, um den Verkauf von Snowflake über den AWS Marketplace zu steigern, der im Kalenderjahr 2025 die Marke von 2 Milliarden US-Dollar überschritten hat. Dies soll durch vereinfachte Vertragsabschlüsse und schnellere Beschaffungsprozesse erreicht werden. Snowflake und AWS wollen ihre Aktivitäten rund um Enterprise-KI in der kommenden Woche auf dem Event Snowflake Summit 26 in San Francisco weiter demonstrieren.
Übernahme von Natoma
Mit der Übernahme von Natoma erhält Snowflake nach eigenen Angaben die Möglichkeit, "eine nativ integrierte Governance- und Identitätsschicht für KI-Agenten und den Zugriff auf MCP-Tools aufzubauen". Dadurch sollen Kunden KI-Systeme sicherer mit ihren Unternehmensanwendungen, Datenbanken, APIs und Tools verbinden und deren Interaktionen besser steuern können, erklärte Snowflake in der Übernahmemitteilung.
Die Funktionen von Natoma sollen in Snowflakes AI Data Cloud integriert werden und "bald für Kunden verfügbar" sein, teilte das Unternehmen mit. "Indem Snowflake Governance auf KI-gesteuerte Workflows ausdehnt, erleichtert das Unternehmen Firmen die sichere Verwaltung nicht nur ihrer Daten, sondern auch der Aktionen, die KI-Agenten in Geschäftsprozessen ausführen", erklärte das Unternehmen. Zu den finanziellen Bedingungen der Übernahme machte Snowflake keine Angaben; auch ein Zeitplan für den Abschluss wurde nicht genannt.
Dieser Artikel erschien zuerst bei unserer Schwesterpublikation crn.com.
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