Rechenzentren treiben starkes Wachstum bei AMD an
Chiphersteller AMD übertraf seine eigenen Erwartungen für den Umsatz im ersten Quartal vor allem dank eines Anstiegs der Datencenter-Umsätze um 57 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Umsatzplus ging nicht auf das Konto der Instinct-GPUs. Die Nachfrage nach KI-Lösungen gaben auch den EPYC-CPUs einen starken Schub.
ADM konnte seinen Quartalsumsatz im Rechenzentrumsbereich auf einen Rekordwert von 5,8 Mrd. US-Dollar steigern – erneut mehr als sein größerer Konkurrent Intel in diesem Segment erzielte. Dieser Wert machte rund 56 Prozent des Gesamtumsatzes aus, der im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um 38 Prozent auf 10,3 Mrd. US-Dollar wuchs.
Der Aktienkurs von AMD stieg im nachbörslichen US-Handel um mehr als 14 Prozent.
Da AMD seine ursprüngliche Prognose von 9,8 Mrd. US-Dollar sowie die durchschnittliche Schätzung der Wall-Street-Analysten deutlich übertraf, meldete der Chiphersteller das vierte Quartal in Folge mit Rekordumsätzen bei Server-CPUs. Die Verkäufe an Cloud-Dienstleister und Unternehmenskunden legten jeweils um mehr als 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu.
Neues Partnerprogramm greift
Das rasante Unternehmenswachstum vollzieht sich vor dem Hintergrund, dass AMD mit einem neu strukturierten Partnerprogramm für den gewerblichen Bereich erneute Anstrengungen unternimmt, um Intel im Vertriebskanal den Schneid abzukaufen. Die finanziellen Mittel, die das Programm vorsieht, stockte AMD im vergangenen Jahr um 40 Prozent auf. Die Folge: AMD registrierte einen Zukauf neuer Lösungspartner.
Dominic Daninger, Vice President of Engineering beim in Burnsville, Minnesota, ansässigen Systemintegrator Nor-Tech, erklärt gegenüber CRN, dass er die verbesserte Partnerabdeckung zur Kenntnis nehme, da ein neuer AMD-Vertriebsmitarbeiter seinem Unternehmen zusätzliche Unterstützung biete.
"Er deckt offensichtlich viele der Bereiche ab, in denen wir den Großteil unseres Geschäfts betreiben, und er war hier sehr hilfreich, sodass es positiver aussieht", sagt der Manager.
Nor-Tech habe mit den EPYC-CPUs von AMD für Kunden im Bereich High-Performance-Computing "viele Erfolge erzielt", so Daninger. Aber er befürchtet, dass AMD die Beiträge seines Unternehmens zum CPU-Umsatz durch die Zusammenarbeit mit OEMs möglicherweise nicht vollständig anerkennen würde. Dies könnte Auswirkungen darauf haben, wie AMD finanzielle Anreize für Partner festlegt. "Noch sind nicht alle Fäden ganz miteinander verknüpft", gibt er zu bedenken.
Intel und AMD: KI-Agenten treiben Nachfrage nach CPUs massiv nach oben
AMDs Bericht über eine starke Nachfrage nach Server-CPUs, die laut CEO Lisa Su durch eine "rasante Zunahme von KI-Workloads" angetrieben wird, erscheint weniger als zwei Wochen, nachdem Intel aus denselben Gründen ein hohes Kundeninteresse in demselben Segment bekannt gegeben hatte.
"Inferenz und agentische KI erhöhen den Bedarf an Server-CPU-Rechenleistung, da diese Workloads zusätzliche CPU-Verarbeitung für Orchestrierung, Datenbewegung und parallele Ausführung erfordern und zudem als Kopfknoten für GPUs und Beschleuniger dienen", sagte Su am Dienstag dieser Woche bei der Telefonkonferenz zum Ergebnis des ersten Quartals.
Dies habe dazu geführt, dass AMD "sowohl eine stärkere kurzfristige Nachfrage als auch eine intensivere Zusammenarbeit mit Kunden bei der langfristigen Kapazitätsplanung" verzeichne, fügte die CEO hinzu. Es veranlasste AMD zudem dazu, den gesamten adressierbaren Markt für Server-CPUs neu zu bewerten und prognostiziert nun ein jährliches Wachstum von mehr als 35 Prozent. Den Markt taxiert der Hersteller bis 2030 über 120 Mrd. US-Dollar.
Das ist mehr als das Dreifache dessen, was AMD und Intel im vergangenen Jahr zusammen an Umsätzen im Rechenzentrumsbereich erzielten. Die Prognose beinhaltet zudem nicht die Umsatzerwartungen für die Instinct-GPUs.
Su wies darauf hin, dass ein Großteil dieses Wachstums auf den Anstieg agentischer KI-Workloads zurückzuführen sei, was dazu führe, dass sich das CPU-zu-GPU-Verhältnis in neuen Rechenzentren von einer CPU pro vier oder acht GPUs (was in den letzten Jahren die Norm war) hin zu einer CPU pro GPU verschiebt. Auch Intel nannte agentische KI als einen der Haupttreiber für das Umsatzwachstum bei Server-CPUs.
"Der Schlüssel ist, dass alle nun gleichzeitig über CPUs nachdenken und über den Einsatz von Beschleunigern. Das ist eine gute Sache", so die AMD-Chefin.
EPYC-Dynamik bei mittelständischen und KMU-Kunden
Da AMD im ersten Quartal einen Anstieg der Server-CPU-Umsätze um mehr als 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr verzeichnete, meldete Su Rekordumsätze und -absätze bei Unternehmenskunden.
AMD schloss neue Verträge für EPYC mit Kunden in den Sektoren Finanzdienstleistungen, Gesundheitswesen, Industrie und digitale Infrastruktur ab. Su erwähnte, dass AMD "bei mittelständischen und KMU-Kunden an Dynamik gewinnt".
Der Chiphersteller hat im Laufe des letzten Jahres verstärkte Anstrengungen unternommen, um Kunden in den beiden letztgenannten Segmenten durch eine erweiterte Zusammenarbeit mit Vertriebspartnern zu erreichen.
"Wir sind gut positioniert, um weitere Marktanteile zu gewinnen, da immer mehr Unternehmen EPYC in On-Premise- und Hybridumgebungen standardisieren – basierend auf unserer führenden Leistung und den Gesamtbetriebskosten", sagte Su in der Telefonkonferenz zum Geschäftsergebnis.
AMD: Trotz Speicherengpässe "überdurchschnittliche" Entwicklung im PC-Markt, aber …
Innerhalb des PC-Marktes hob Su das gewerbliche Segment als "wichtiges Highlight des Quartals" hervor. Der Absatz von gewerblichen PCs mit Ryzen Pro-Prozessoren sei "im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 50 Prozent gestiegen". Die Managerin erklärte, dass Dell Technologies, HP Inc. und Lenovo ihr Angebot an AMD-basierten Produkten ausweiten.
Su warnte jedoch, dass das Unternehmen für die zweite Jahreshälfte mit einem Rückgang der PC-Verkäufe rechne, "aufgrund höherer Speicher- und Komponentenkosten“, und verwies dabei auf die Auswirkungen der anhaltenden Komponentenknappheit, die durch den fortlaufenden Ausbau von KI-Rechenzentren verursacht werden.
Dennoch, so die CEO, erwarte AMD weiterhin, dass der Client-Umsatz "im Vergleich zum Vorjahr wachsen und den Markt übertreffen wird, angetrieben durch die Stärke unseres Ryzen-Portfolios und die zunehmende kommerzielle Akzeptanz".
AMD: Weiterhin Dynamik bei Instinct-GPUs ohne Hilfe des Vertriebskanals
Der Umsatz mit AMDs Instinct-GPUs stieg im ersten Quartal laut Su um einen "deutlichen zweistelligen Prozentsatz im Vergleich zum Vorjahr", wobei sie auf eine beschleunigte Einführung bei Kunden aus den Bereichen Cloud, Unternehmen, staatliche Einrichtungen und Supercomputing verwies.
"Wir sehen eine starke Dynamik, da Kunden von Pilotprojekten zu groß angelegten Produktionsimplementierungen übergehen, insbesondere im Bereich der Inferenz, wo unsere führende Speicherkapazität und Bandbreite entscheidende Vorteile darstellen".
Während AMD verstärkt auf den Vertriebskanal setzt, um sein CPU-Geschäft auszubauen, hat der Chiphersteller bisher davon abgesehen, gemeinsam mit Vertriebspartnern einen nennenswerten Vorstoß zur Steigerung der Instinct-GPU-Verkäufe zu unternehmen – vor allem, um sich auf große Implementierungen bei namhaften Kunden wie Meta und OpenAI konzentrieren zu können, erklärte AMD-Vertriebsleiter Kevin Lensing CRN in einem Interview im vergangenen Jahr.
"Mit dieser erweiterten Sichtbarkeit haben wir großes und wachsendes Vertrauen in unsere Fähigkeit, im Jahr 2027 einen jährlichen Umsatz von mehreren zehn Milliarden Dollar im Bereich Rechenzentrums-KI zu erzielen und unser langfristiges Wachstumsziel von mehr als 80 Prozent in den kommenden Jahren zu übertreffen", so AMD-Chefin Su.
Der Artikel erschien zuerst bei unserer Schwesterpublikation crn.com.
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