OVHcloud: Rekordmarge und neue BU für Militärs
OVHcloud wächst im ersten Geschäftshalbjahr auf über 555 Mio. Euro. Der Hoster richtet seine Vertriebs- und KI-Strategie neu aus. Eine eigene Sparte soll sich um Kunden aus dem Verteidigungssektor kümmern.
Der französische Hoster OVHcloud hat Zahlen für das erste Halbjahr des Geschäftsjahres 2025/26 veröffentlicht (September bis Februar). Sie zeigen einen Aufwärtstrend, der durch den Einsatz von KI und die Einführung von Sovereign Clouds getrieben wird. Das Unternehmen meldet einen Umsatz von 555,3 Mio. Euro, ein Plus von 5,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Die Dynamik treibt das Public-Cloud-Segment an, das um 15,1 Prozent auf 118,6 Mio. Euro zulegt, unterstützt durch Neukundengewinne sowie die Erweiterung des Produktportfolios.
Der Bereich Private Cloud, der größte Geschäftsbereich der Gruppe, legt um 3,4 Prozent auf 336,6 Mio. Euro, während der Bereich Web Cloud um 2,4 Prozent auf 100,1 Mio. Euro steigt.
Die Nachfrage werde durch die zunehmende Nutzung von KI-Workloads angetrieben, so OVHcloud. Die Kunden gingen nun über die Experimentierphase hinaus zu einer breiteren Einführung von KI.
Rekordmarge durch internen KI-Einsatz
Das bereinigte EBITDA klettert um 8,3 Prozent auf 227,2 Mio. Euro. Der Nettogewinn liegt im ersten Halbjahr bei 5,9 Mio. Euro.
Mit Verweis auf eine EBITDA-Marge von fast 41 Prozent spricht CEO Octave Klaba von einem "Rekordniveau seit dem Börsengang". Die hohe Marge sei durch die "Integration von KI in unsere internen Prozesse getrieben", so der Chef von OVHcloud.
Aufschlüsselung nach Regionen
Frankreich, der Heimatmarkt des Unternehmens, trägt im ersten Halbjahr 2025/26 48 Prozent zum Gesamtumsatz der Gruppe bei, wächst um fünf Prozent auf 270 Mio. Euro. Andere europäische Länder machen 29 Prozent des Gesamtumsatzes aus, hier liegt das Umsatzplus bei 3,5 Prozent auf 160,3 Mio. Euro. Der Bereich Private Cloud ist laut Hoster durch den Weggang eines Unternehmenskunden beeinträchtigt.
In den restlichen Regionen beträgt der Umsatzanteil 23 Prozent, hier liegt der Zuwachs bei 9,5 Prozent auf 125,2 Mio. Euro - angetrieben durch die Einführung der Public Cloud in den USA.
Neugestaltete Strategie und KI-Offensive
OVHcloud erklärt, dass die Nachfrage europäischer Verteidigungsministerien die Strategie des Anbieters bestimmt: Diese Kunden brauchen Unterstützung in den Bereichen KI-gestützte Kommandos, Drohnenkoordination, Kommunikationsinteroperabilität und technologische Souveränität. Um dem gerecht zu werden, baut das Unternehmen auf Basis seines SecNumCloud-Angebots einen eigenen Verteidigungsbereich auf. Zudem setzt OVHcloud länderbezogene Vertriebsteams ein, die mit Ministerien zusammenarbeiten, und stellt Spezialisten mit militärischem und verteidigungstechnischem Hintergrund ein.
Die Gruppe gestaltet ihre Vertriebsstrategie neu. Der Schwerpunkt liegt nun verstärkt auf der Kundenakquise in digitalen Segmenten. Im Unternehmensgeschäft soll eine Verlagerung hin zu mittelgroßen, wiederkehrenden Verträgen erfolgen.
Im Rahmen seiner KI-Offensive hat OVHcloud nach der Übernahme des Generative-AI-Unternehmens Dragon LLM im März ein KI-Labor eröffnet. Zu Beginn des Jahres hat das Unternehmen zudem den französischen Verschlüsselungsspezialisten Seald übernommen.
Ausblick
Für das Geschäftsjahr 2026/27 erwartet OVHcloud ein organisches Umsatzwachstum zwischen fünf und sieben Prozent sowie eine bereinigte EBITDA-Marge über dem Niveau des Geschäftsjahres 2025.
Das Unternehmen hat zudem beschlossen, einen speziellen Lagerbestand an Speicherkomponenten und Festplatten im Wert von rund 50 Mio. Euro aufzubauen, um angesichts der anhaltenden Komponentenkrise und des Kostendrucks die Versorgung sicherzustellen und die Preise zu stabilisieren.
Der Artikel erschien zuerst bei unserer Schwesterpublikation CRN UK.
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